Annika Lamer: Rechtschreibung klipp und klar erklärt*

Das Erste, was ich dachte, als das Buch in der Post war:

„Boah ist das dick!“

350 Seiten! Aber wer öfter Texte schreibt, weiß auch, wie viele Fragen unsere Rechtschreibung manchmal aufwerfen kann. Und so steht es auch in der Ankündigung von Dumont, dem Verlag, in dem „RECHTSCHREIBUNG KLIPP UND KLAR ERKLÄRT“ von Annika Lamer erschienen ist:

„Es sind doch immer dieselben Fragen: Schreibt man das jetzt groß oder klein, zusammen oder getrennt? Und was ist mit den vielen Anglizismen – werden die eigentlich wie deutsche Wörter gebeugt?“

Ich gebe zu – bevor ich das Buch in den Händen hielt, dachte ich ja:

“Wozu brauchen wir den drölfzigsten Rechtschreibratgeber? Außerdem gibt’s doch den Duden.”

Aber nachdem ich das Buch bekommen und reingelesen hatte, sah ich das anders. Denn dieser Ratgeber ist auch anders. Während ich zum Beispiel beim ehrwürdigen Duden sehr oft gar nicht weiß, wo ich suchen muss, um die Erklärung zu finden, die ich gerade brauche, denkt dieser Ratgeber irgendwie mehr mit meinem Kopf. Und vor allem: Die Autorin spricht meine Sprache. Sie verwendet nur die allernötigsten grammatischen Fachbegriffe – so was wie Plusquamperfekt kommt nicht vor – und erläutert selbst die noch einmal gesondert im anhängenden Glossar.

Also – zurück zum Anfang:  „Boah ist das dick“ – ich schlage das Buch auf und erwarte ein Inhaltsverzeichnis, für das man einen Kompass braucht. Aber ich sehe dies:

Kurz und knapp wurden 350 Seiten Inhalte überschaubar in nur sechs Oberkapitel aufgeteilt:

  1. Groß- und Kleinschreibung
  2. Zusammen oder getrennt?
  3. Grammatikfragen
  4. Anglizismen und andere Fremdwörter
  5. Datums- und Zeitangaben
  6. Zeichen, Symbole und Abkürzungen

Die Unterkapitel dienen gleichzeitig der Navigation durch dieses Buch – sie zeigen, worum es konkret geht, also wo ich schauen muss, wenn ich eine Frage habe. Und damit ich auch garantiert fündig werde, folgt dann gleich zu Beginn des Buches eine äußerst aufschlussreiche Einführung: „So verwenden Sie dieses Buch.“ Ich lerne, dass ich es nicht ganz durchlesen müsste, um es zu nutzen und zu verstehen. Find ich gut, denn wer liest schon gerne 350 Seiten über Rechtschreibung?

Alles andere als dröge

Aber dieses Buch ist anders. Es beginnt mit einem netten, kurzweiligen Dialog zwischen Sina und Gerrit. Die beiden reden über das Thema Rechtschreibung und gehen dann erst einmal zur Eisdiele.

Zwei Seiten weiter sind sie wieder zurück und müssen sich wohl vom kalten Eisessen aufwärmen, denn nun reden sie über das Zubereiten von Tee.

Ähem. Eine Geschichte statt öder Regeln?

Ja genau. Sina und Gerrit sind nämlich große Fans von richtigem Deutsch und tauchen deshalb bei jeder neuen Fragestellung erneut auf. Sie machen aus dem Rechtschreibratgeber ein Buch, das man plötzlich gar nicht mehr soo dröge findet. Vor allem aber ist es die unterhaltsame Herangehensweise an dieses Thema, die mit dafür sorgt, dass ich mir so manche Rechtschreibregel besser merken kann.

Der kleine umrahmte Absatz am Ende eines jeden Themas enthält ein Fazit des Gesagten, also quasi die Regel, die ich mir merken sollte oder in vielen Fällen auch einen Tipp, wie ich sie mir merken kann oder wie ich herausfinde, ob man – je nach Fragestellung – zum Beispiel klein oder groß, zusammen oder getrennt schreibt, oder ob Dativ oder Akkusativ folgt.

Eingängige Darstellung mit viel Weißraum

Das Buch ist super formatiert für Schnell-Leser:innen und Nachschlager:innen. In Rot gesetzte Beispiele und reichliche und großzügige Absätze machen das Lesen leicht und helfen bei der Orientierung. Das sieht dann z.B. so aus:

Annika Lamer legt weitestgehend die Duden Regeln zugrunde, trifft aber manchmal auch abweichende Entscheidungen, was sie dann aber auch erwähnt. Die Autorin versteckt sich nicht hinter bestehenden Regeln, sondern bringt ein ganzes Stück ihrer eigenen Autoren-Meinung mit ein. Das macht dieses Buch zu einem besonders sympathischen Ratgeber.

Im Epilog liegen Sina und Gerrit chillend in der Sonne und ihr letztes Gespräch in diesem Buch macht deutlich: Es ist längst noch nicht alles gesagt zum Thema Rechtschreibung.

Ich empfehle dieses Buch allen, die viel schreiben und immer mal wieder auf Zweifelsfälle stoßen. Auf meinem Schreibtisch gab es bisher zwei Bücher, die ich immer in Reichweite habe und ständig benutze. Jetzt sind es drei.

Wer nach der Lektüre des Buches noch nicht genug hat, sollte der Autorin im Internet folgen. Auf ihrer Website schreibt die Rechtschreibexpertin in ihrem Blog regelmäßig über das Thema, sie gibt Workshops und Schreibtrainings und bietet in ihrem Newsletter Rechtschreibtipps. 

Annika Lamer

RECHTSCHREIBUNG KLIPP UND KLAR ERKLÄRT

Mit Leichtigkeit zu korrekten Texten

352 Seiten, Klappenbroschur mit bedruckten Innenseiten
Erschienen bei Dumont am 12.10.2022
ISBN 978-3-8321-8200-7
€ 20,-

 

 

 

*Werbung – für diese Rezension hat mir der Verlag ein Exemplar des Buches zur Verfügung gestellt.

 

An adventure of work & travel

An adventure, so nennt Philine von Sell ihr Leben selbst, aber man spürt auch ein wenig von diesem Abenteuer, wenn man für sie arbeitet.  Seit bereits einiger Zeit hab ich die Ehre und das wirklich große Vergnügen, genau dies zu tun. Nur fühlt es sich meistens gar nicht wie Arbeit an, sondern eher wie eine Reise, die mehr Freude als Mühe macht. Schließlich geht es ja auch immer in irgendeiner Form ums Reisen, ums Unterwegssein. Unser jüngstes gemeinsames Projekt ist eine neue kleine Personality-Seite über sie selbst: philinevonsell.com Ich zeichne hier verantwortlich für den Text und war auch konzeptionell beratend dabei. Die wunderbaren Fotos kommen natürlich von ihr selbst, für die Technik und Umsetzung in WordPress war Frank Paul von ants and butterflies zuständig. Meine Texte übersetzt hat Leigh Hoch von fullspeak.de. 

Teamwork makes the dream work

Das Schönste an diesem Projekt war das bemerkenswert Reibungslose. Alle Zahnrädchen haben wunderbar ineinander gepasst, es hat wirklich nirgendwo gehakt und so haben wir diese neue Seite in relativ kurzer Zeit ins Web entlassen können. Meine Textarbeit hat mir großen Spaß gemacht, ging es doch darum, was ich am liebsten mache: mich kurz fassen. Packe möglichst viele Infos auf eine möglichst kompakte Seite. Schreibe Texte, die auch mit wenigen Worten transportieren, worauf es Philine von Sell ankommt, wie sie ist und was sie zu bieten hat. Und vor allem: zeige, wie kompetent, aber auch sympathisch und zugewandt sie ist. Ich hoffe, das ist mir strukturell wie inhaltlich gelungen.

Ich danke für das mir entgegengebrachte große Vertrauen und wünsche dir Philine ganz viel Erfolg und Spaß auf deinen Reisen mit dieser kleinen Website als Reisebegleiterin.

 

Sequoia

Sonntagsspaziergang am 07.08.2022 auf der Sequoiaform in Kaldenkirchen. Geheimtipp.

Die beste Zeit für guten Stil*

Ich gebe es zu – dieses Buch hab ich nur gekauft, weil die Autorin Susanne Ackstaller heißt. Sie ist eine meiner allerersten Online-Bekanntschaften – wir lernten uns in den 90ern bei den webgrrls kennen, sie ist die Gründerin des besten Netzwerks der Welt, des Texttreffs, dem ich seit seiner Gründung vor 20 Jahren angehöre, sie ist längst mehr als eine Bekannte, sie gehört zu den Personen im großen, weiten Internet, die mir am vertrautesten sind. Sie hat „Die beste Zeit für guten Stil” geschrieben und ich hab das Buch selbstverständlich gekauft. Dies, obwohl mich das Thema so rein gar nicht interessiert, denn mit Mode habe ich absolut nichts am Hut. Was soll ich mit einem Styleguide?  Sogar meine Buchhändlerin hat sich gewundert und ehrlich irritiert geguckt, als ich das Buch bestellte und es nicht als Geschenk einpacken ließ, weil es ja für mich selbst war.

Die Autorin. Susanne Ackstaller. Foto: Martina Klein/Knesebeck Verlag

Aber ich hatte Susi versprochen, es zu lesen und dabei gedacht: „Na ja, ich werde es mal durchblättern.“ Aber dann hab ich an einer großen Online-Buch-Release-Veranstaltung teilgenommen, für deren Durchführung Susi aka Texterella Lindmanns  Lebendige Onlineveranstaltungen engagiert hatte. Eine riesengroße Veranstaltung mit vielen Teilnehmerinnen und noch mehr ZuschauerInnen. Das war eine der besten, nein die beste Zoom-Veranstaltung, bei der ich jemals war. Auch dort hatte ich mich nur angemeldet, weil es eben Susi war, die einlud, aber echtes Interesse hatte ich nicht. Und dann fand ich mich gebannt und interessiert vor dem Bildschirm wieder. Interviews mit allen Beteiligten, viele Bilder und natürlich auch immer wieder eingestreute Mini-Lesungen der Autorin. Es war einfach großartig. Nach dieser Veranstaltung nahm ich das Buch in die Hand und las los.

Es geht um Mode. Mode?

Es geht um Mode, um deinen, meinen, jederfraus persönlichen (Lieblings)Look. Es geht um Ausdruck von Persönlichkeit. Es geht darum, dass jede alles tragen können darf. Auch vermeintlich Unmodernes. Denn auch „keine Mode“ ist ja ein Statement. Dies drücken bereits die O-Töne auf dem Klappentext aus, was mich direkt ansprach und mir als Modemuffel den Lesestart erleichterte.

Was mir auch ohne ein Wort gelesen zu haben, gleich auffiel:

Das Buch ist schön.

Es ist – obwohl nicht übermäßig dick – gewichtig.

Es ist haptisch besonders. Das Papier ist dicker als man es von Büchern gewohnt ist.

Es ist wirklich ansprechend formatiert und gestaltet.

Bild: Veronika Gruhl/Knesebeck Verlag

Die Illustrationen  von Veronika Gruhl sind fantastisch.

Die Fotos von Martina Klein überzeugen (und machen Lust, jetzt auf der Stelle an den Kleiderschrank zu gehen und einen Look zu kreieren. Ja, doch. Hätte ich auch nie gedacht.)

Die erste “Modefrau” oder: Mode ist ein Gefühl

Ich schlage das Buch auf und mir springt die Widmung ins Auge: „Meiner Oma. Als Schneiderin war sie die erste ‚Modefrau‘ in meinem Leben.“ Ich denke an meine verstorbene Mutter, die ebenfalls Schneiderin und meine erste ‚Modefrau‘ war. Emotional angesprochen starte ich mit der Lektüre. Das Lesen geht flott – Susis Schreibstil ist klasse. Einfach lesbar. Eingängig. Und total sympathisch. Liest man gerne. Die Aufbereitung der Texte tut ihr Übriges. Hervorhebungen in Rot, Spiel mit Schriftarten und Zwischenüberschriften – ich gleite durch die ersten Seiten der Einführung. Und immer wieder Seiten mit nur einem Satz oder mit einem ganzseitigen Foto einer tollen Frau oder eines Kleidungsstücks. Da wirkt sogar ein weißes Basic-T-Shirt auf weißem Hintergrund echt seitenfüllend cool.

Es gibt 20 Kapitel aus der Rubrik Styleguide: Klassiker wie die weiße Bluse und das weiße T-Shirt, Jeans, Jeansjacke und Trenchcoat und natürlich das kleine Schwarze sind dabei, aber auch der Tüllrock, ein roter BH und das Barett. Ein Styleguide-Kapitel ist den Augenbrauen gewidmet und ich staune, was es dazu alles zu sagen gibt. Ich selbst hab meinen Augenbrauen in den vergangenen nun fast 60 Jahren noch nie Beachtung geschenkt. Noch nie gezupft, angemalt oder mit Rizinusöl behandelt… Wie gut, dass – laut der Autorin – der natürliche Schwung der Augenbraue meistens auch am besten zur Gesichtsform passt. Dann ist ja alles ok. ;-) Es gibt darüber hinaus noch weitere Styleguides wie Glitzerschuhe, Sonnenbrille oder Sneakers und einige mehr. Außerdem viele praktische Tipps und Kombinationsvorschläge.

Der wahre Schatz des Buches

Zwischen diesen einzelnen Kapiteln eingestreut sind 11 Portraits – und sie sind der wirkliche Schatz dieses Buches. Sie machen es besonders. Denn jedes dieser Portraits zeigt, was dieses Buch sagen will: Jede Frau ist schön. Jeder Stil hat seine Berechtigung. Schön ist, was der Trägerin gefällt. Und je wohler sie sich in ihrem Look fühlt, desto schöner wird sie selbst. 11 Frauen zeigen sich, fotografisch wunderbar in Szene gesetzt von Martina Klein. Sie erzählen von sich, von ihren Lieblingsklamotten, von so genannten Key Pieces, sie berichten aus ihrem Leben, erzählen, was Ihnen Trends und Mode bedeuten. Diese Portraits sind motivierende Texte über inspirierende Frauen.

Schön zu sehen, dass auch das Thema Nachhaltigkeit – wichtig! – seinen Platz in diesem Buch hat und mode- und stilbewussten Frauen wichtig ist. Ein schöner Satz in diesem Zusammenhang: „Das nachhaltigste Kleidungsstück ist das, das man schon besitzt.“ Oder: „Brauchen wir wirklich immer häufiger von allem mehr?“

Nein, brauchen wir nicht. Und auch Mode ist völlig überflüssig. Wir brauchen nur unseren jeweils eigenen Stil. Und wenn man ganz genau hinsieht, hat den jede von uns. Dabei spielt es gar keine Rolle, WAS konkret man trägt. Viel wichtiger ist in diesem Zusammenhang das WIE und vor allem das WER.

So. Und jetzt räume ich meinen Kleiderschrank auf und schau mal, ob ich eine weiße Bluse finde, die nicht spannt. Außerdem suche ich meine bunte Schirmmütze, die ich früher so gerne getragen habe. Seit sicher 20 Jahren nicht mehr. Bin zu alt dafür. Dachte ich. Aber hey, seitdem ich die „Die beste Zeit für guten Stil“ gelesen habe, sehe ich das komplett anders.

Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass ICH tatsächlich ein ganzes Buch über Mode von vorne bis hinten durchlese, und dass es mir sogar gefällt. Aber ich hätte ja auch niemals gedacht, dass eine GRÜNE Bundeskanzlerin werden könnte. In diesem Sinne – die Zeit der immergleichen Blazer ist vorbei. #allesistdrin

Susanne Ackstaller, Martina Klein, Veronika Gruhl

Die beste Zeit für guten Stil
Fashion for Women. Not Girls.
25,00 €

16.0 x 23.2 cm,

Flexicover mit Klappen, 176 Seiten

ISBN 978-3-95728-444-0

Erhältlich überall und hier im Knesebeck Verlag

 

 

*Ich wurde zu diesem Beitrag weder aufgefordert, noch hat mich jemand dafür bezahlt. Dennoch bin ich verpflichtet, ihn als Werbung zu kennzeichnen.

Maria Almana: Wer schreibt, darf eigensinnig sein*

Ich bin relativ spät dran mit dieser kleinen Besprechung von “Wer schreibt, darf eigensinnig sein” von Maria Almana. Denn erschienen ist das Buch bereits im Dezember 2020. Aber dieser zweite Band von Almanas Eigensinn-Trilogie hat 378 Seiten und die wollen im vollgepackten Alltag erst mal gelesen sein. Aber nachdem ich bereits Teil 1 gelesen hatte, war klar, dass ich auch in Teil 2 reingucken muss. Die Eigensinn-Trilogie ist keine Serie von Ratgeber-Texten. Zumindest nicht im eigentlichen Sinn. Ich würde eher sagen, es sind “Anstupser”, Motivationsbücher. Texte, die sagen: Mach doch, du darfst das. Sei wie du willst und vor allem, schreib wie du willst. Dabei geht es – nicht nur – um Stilfragen und Regeln, es geht auch um Tricks und Tipps und es geht vor allem um SIE. Um mich. Um die Leser*innen und zuvorderst um die Schreiber*innen Maria Almana begleitet Autoren in “Wer schreibt, darf eigensinnig sein” auf ihrem Weg ins Abenteuer Schreiben. Und dabei leitet sie ein Mantra:

Alles ist möglich. Und Eigensinn ist richtig.

Wer Maria Almana kennt – persönlich, von ihren Blogs, ihrer Arbeit oder aus der Lektüre des ersten Bandes der Eigensinn-Trilogie, weiß, dass sie keine Autorin ist, die sich kurz fasst. Eigensinnig formuliert sie ihre Gedanken so ausführlich, wie sie ihr in den Sinn kommen. Man mag denken, ein Kapitel “In eigener Sache” am Anfang eines Buches sei eine Art Vorwort und Vorworte sind normalerweise recht kurz, erst recht, wenn es um Dinge “in eigener Sache” geht. Da fasst sich die Autorin kurz, will die Leserschaft am Anfang nicht gleich mit sich selbst langweilen, und als Leser*in will man gleich zur Sache kommen, weshalb man dieses Buch gekauft hat und nun lesen will. Aber zunächst geht es 10 ganze einleitende Seiten lang um Maria Almanas “eigene Sachen”. Bei Licht besehen jedoch merkt man recht schnell, man ist schon mitten drin im Thema. Das ist Eigensinn. Und genau darum geht es schließlich. Darum wie SIE schreiben. Welcher Schreibtyp SIE sind. Und was SIE leiten soll, wenn Sie sich entschließen zu schreiben. Es sind 10 Seiten, die sich lohnen. Und die verstehen lassen, warum das nächste Kapitel mit “50 Menschen, 50 Perspektiven” überschrieben ist:

“Es gibt so viele Wege zum Eigensinn, wie es Individuen auf der Welt gibt.”

Das Buch ist dick, aber es liest sich “weg wie nix”. Das liegt daran, dass es der Autorin gelungen ist, die zwar episch breit formulierten Inhalte in leicht verdauliche Päckchen zu packen. Und das ist auch gut so. Das Buch ist eines von der Sorte, wo man immer mal wieder den Blick hebt, innehält und nachdenkt, reflektiert. Über sich selbst, den eigenen Schreibstil oder auch über das Werk, an dem man gerade sitzt. Außerdem – auch das ist typisch Almana – gibt es reichtlich Gelegenheit, herauszufinden, was man möglicherweise noch nicht genau kennt: die eigene Perspektive. Und natürlich gehen etliche Tests der Frage nach: Welcher Schreibtyp bin ich eigentlich? Für alle, die gerne Psychotests und ähnliches machen, ist dieses Buch per se interessant.

Unterwegs zum eigenen Buch

Irgendwo las ich, dass dieses Buch kein Schreibratgeber sein, sondern eher ein Reiseführer. Und so fühlt man sich auch wie auf Reisen und das liegt nicht nur an der Kapitelüberschrift, die mit “Unterwegs” beginnt. Das liegt auch daran, dass man bei der Lektüre das Gefühl hat, das man weiterkommt, dass man _sich_ entwickelt und auch mehr Mut. Mehr Mut zum Eigensinn.

En passant erfährt unterwegs auch eine Menge darüber, was man als Autor*in jenseits des Schreibens wissen sollte. Zum Beispiel widmet die Selfpublishing-Expertin Almana dem Thema Selbstverlag ein ganzes, langes Kapitel. Wer das gelesen hat, ikommt der Entscheidung “Selfpublishing – ja oder nein?” einen deutlichen Schritt näher.

Biber – Fledermaus – Maulwurf

Und immer wieder eingestreut zwischen sämtlichen Themen rund ums (Sach)Bücher schreiben weitere Testfragen: “Welcher Schreibtyp sind Sie?” Am Schluss des Buches dann eine Auswertungstabelle und natürlich die Auswertung? Welcher Schreibtyp sind Sie? Ich bin eine multiple Persönlichkeit, nämlich Biber, Fledermaus und Maulwurf. Und wenn ich mir die Beschreibungen so durchlese, erlebe ich mich kopfnickend. Ja. So bin ich – mal so, mal so. Und dann wieder so. Ziemlich eigensinnig. Dass ich mich damit als Autorin mehr als wohlfühlen darf, hat mir die Lektüre von Maria Almanas zweitem Eigensinn-Band deutlich vor Augen geführt. Und was noch viel toller ist – sie hat mir neue Lust aufs Schreiben gemacht.

Das gesamte Buch ist übrigens ein Gemeinschaftprojekt lauter Netzwerkkolleginnen. Das Cover hat Uschi Ronnenberg gestaltet und die wunderbare Titel-Illustration stammt von Susanne Taggruber. 

Noch mehr Eigensinn von Maria Almana gibt’s hier.

Tredition 12/2020

ISBN-13: 9783347152595

Bestellnummer: 10381330

Umfang: 384 Seiten

€ 22,99

Kaufen können Sie das Buch überall im Buchhandel und online gleich hier in der Autorenwelt.

 

 

 

 

*Ich wurde für diesen Beitrag weder bezahlt noch beauftragt, dennoch bin ich verpflichtet, ihn als Werbung zu kennzeichnen.

Schreiben für Sprecher*innen

Als mein Kunde mich beauftragte, den Text für einen kleinen Film über seine Praxis zu schreiben, mit dem er neue Mitarbeiter*innen suchen möchte, habe ich mich gefreut. Ich mag es, Konzepte zu entwickeln und auf den Punkt genau zu formulieren. Und nirgendwo sonst kommt es so sehr auf den Punkt an, wie bei einem Sprecher*innen-Text für einen Filmbeitrag.

Als erstes stellt sich vielleicht die Frage nach dem Huhn und dem Ei – bzw. was kommt zuerst – Film oder Text? Ich bin der Meinung, dass das Hand in Hand gehen muss, dass aber in diesem Fall der Text den Film bestimmt. Das heißt, man kann das Video nicht ohne den Text konzipieren. Und so sind wir bei der Produktion folgendermaßen vorgegangen:

Zeichenzahl ermitteln

Vorgabe war eine Videolänge von ca. 1:15, also eine Minute und 15 Sekunden.  Ich habe als ungefähre Textmenge ermittelt:

1 Minute = 900 Zeichen inklusive Leerzeichen (entspricht etwa 100 – 140 Wörtern)

Plus 15 Sekunden = ca. 225 Zeichen

Summe: ca. 1125 Zeichen maximal

So hatte ich also die Zeichenzahl, die in etwa zur Verfügung stand. Insgesamt sollte man den Text immer knapp bemessen, damit der Mensch, der sich das Video ansieht, nicht nur hört, sondern auch noch Zeit zum Gucken hat.

Informationen sammeln und sortieren

Im nächsten Schritt schrieb ich auf, welche Informationen inhaltlich transportiert werden mussten. Ich listete die Stationen im Film auf. Und ich schrieb auf, auf welche Bereiche seiner Praxis und auf welche Begrifflichkeiten der Auftraggeber erklärtermaßen besonderen Wert legte. Diese Erfordernisse packte ich zusammen in ein grobes Inhaltskonzept und eine Reihenfolge der Stationen im Film.

Als nächstes entstand eine Art Mini-Drehbuch, in dem ich die Inhalte den einzelnen Filmabschnitten zuordnete. Ich teilte die Abschnitte auch in zeitliche Bereiche und ermittelte so die ungefähre Zeichenzahl pro Abschnitt.

Texten

Ich textete nun zunächst so, dass alle notwendigen Inhalte zur Sprache kamen und in etwa an der richtigen Stelle Erwähnung fanden. Ich tat dies von Anfang in dem Bewusstsein, dass in einem solchen Film kein Platz ist für Füllwörter, dass lange Schachtelsätze nie besonders schön, selten verständlich und im Film auf jeden Fall unangebracht sind. Nachdem ich die erste Textfassung fertig hatte, ging’s ans Sprechen. Ich las meinen Text abschnittsweise mit der Stopp-Uhr, um zu erfahren, was ich ohnehin schon wusste – er war natürlich noch zu lang.

Text überarbeiten

Der Videoproduzent passte den provisorischen Text seinem provisorischen Film an und schickte mir das Filmmaterial erneut, dieses Mal mit improvisiert eingesprochenem Text. Nun konnte ich am Text feilen und ihn dabei noch präziser ans Bild anpassen. Dazu gehörten auch Hinweise, wo welcher Text nicht gesprochen, sondern eingeblendet werden soll. Und ich kürzte und vereinfachte weiter. Denn Fremdwörter, Fachbegriffe und allzu lange Wortzusammensetzungen machen einen gesprochenen Text schlecht verständlich.

Den allerletzten Schliff hat der Text dann am Schluss durch die professionelle Sprecherin erhalten, die eben genau weiß, wann man wie wo betonen oder Pausen machen muss. Insgesamt entstanden ist „einfach ein kleiner Film“ mit der Botschaft: Wir suchen weitere Mitarbeiter*innen: MFA, kaufmännische Angestellte sowie Ärzte und Ärztinnen. Ein Film, dem man nicht anmerkt, dass ne ganze Menge Arbeit darin steckt.