Die beste Zeit für guten Stil*

Ich gebe es zu – dieses Buch hab ich nur gekauft, weil die Autorin Susanne Ackstaller heißt. Sie ist eine meiner allerersten Online-Bekanntschaften – wir lernten uns in den 90ern bei den webgrrls kennen, sie ist die Gründerin des besten Netzwerks der Welt, des Texttreffs, dem ich seit seiner Gründung vor 20 Jahren angehöre, sie ist längst mehr als eine Bekannte, sie gehört zu den Personen im großen, weiten Internet, die mir am vertrautesten sind. Sie hat „Die beste Zeit für guten Stil“ geschrieben und ich hab das Buch selbstverständlich gekauft. Dies, obwohl mich das Thema so rein gar nicht interessiert, denn mit Mode habe ich absolut nichts am Hut. Was soll ich mit einem Styleguide?  Sogar meine Buchhändlerin hat sich gewundert und ehrlich irritiert geguckt, als ich das Buch bestellte und es nicht als Geschenk einpacken ließ, weil es ja für mich selbst war.

Die Autorin. Susanne Ackstaller. Foto: Martina Klein/Knesebeck Verlag

Aber ich hatte Susi versprochen, es zu lesen und dabei gedacht: „Na ja, ich werde es mal durchblättern.“ Aber dann hab ich an einer großen Online-Buch-Release-Veranstaltung teilgenommen, für deren Durchführung Susi aka Texterella Lindmanns  Lebendige Onlineveranstaltungen engagiert hatte. Eine riesengroße Veranstaltung mit vielen Teilnehmerinnen und noch mehr ZuschauerInnen. Das war eine der besten, nein die beste Zoom-Veranstaltung, bei der ich jemals war. Auch dort hatte ich mich nur angemeldet, weil es eben Susi war, die einlud, aber echtes Interesse hatte ich nicht. Und dann fand ich mich gebannt und interessiert vor dem Bildschirm wieder. Interviews mit allen Beteiligten, viele Bilder und natürlich auch immer wieder eingestreute Mini-Lesungen der Autorin. Es war einfach großartig. Nach dieser Veranstaltung nahm ich das Buch in die Hand und las los.

Es geht um Mode. Mode?

Es geht um Mode, um deinen, meinen, jederfraus persönlichen (Lieblings)Look. Es geht um Ausdruck von Persönlichkeit. Es geht darum, dass jede alles tragen können darf. Auch vermeintlich Unmodernes. Denn auch „keine Mode“ ist ja ein Statement. Dies drücken bereits die O-Töne auf dem Klappentext aus, was mich direkt ansprach und mir als Modemuffel den Lesestart erleichterte.

Was mir auch ohne ein Wort gelesen zu haben, gleich auffiel:

Das Buch ist schön.

Es ist – obwohl nicht übermäßig dick – gewichtig.

Es ist haptisch besonders. Das Papier ist dicker als man es von Büchern gewohnt ist.

Es ist wirklich ansprechend formatiert und gestaltet.

Bild: Veronika Gruhl/Knesebeck Verlag

Die Illustrationen  von Veronika Gruhl sind fantastisch.

Die Fotos von Martina Klein überzeugen (und machen Lust, jetzt auf der Stelle an den Kleiderschrank zu gehen und einen Look zu kreieren. Ja, doch. Hätte ich auch nie gedacht.)

Die erste „Modefrau“ oder: Mode ist ein Gefühl

Ich schlage das Buch auf und mir springt die Widmung ins Auge: „Meiner Oma. Als Schneiderin war sie die erste ‚Modefrau‘ in meinem Leben.“ Ich denke an meine verstorbene Mutter, die ebenfalls Schneiderin und meine erste ‚Modefrau‘ war. Emotional angesprochen starte ich mit der Lektüre. Das Lesen geht flott – Susis Schreibstil ist klasse. Einfach lesbar. Eingängig. Und total sympathisch. Liest man gerne. Die Aufbereitung der Texte tut ihr Übriges. Hervorhebungen in Rot, Spiel mit Schriftarten und Zwischenüberschriften – ich gleite durch die ersten Seiten der Einführung. Und immer wieder Seiten mit nur einem Satz oder mit einem ganzseitigen Foto einer tollen Frau oder eines Kleidungsstücks. Da wirkt sogar ein weißes Basic-T-Shirt auf weißem Hintergrund echt seitenfüllend cool.

Es gibt 20 Kapitel aus der Rubrik Styleguide: Klassiker wie die weiße Bluse und das weiße T-Shirt, Jeans, Jeansjacke und Trenchcoat und natürlich das kleine Schwarze sind dabei, aber auch der Tüllrock, ein roter BH und das Barett. Ein Styleguide-Kapitel ist den Augenbrauen gewidmet und ich staune, was es dazu alles zu sagen gibt. Ich selbst hab meinen Augenbrauen in den vergangenen nun fast 60 Jahren noch nie Beachtung geschenkt. Noch nie gezupft, angemalt oder mit Rizinusöl behandelt… Wie gut, dass – laut der Autorin – der natürliche Schwung der Augenbraue meistens auch am besten zur Gesichtsform passt. Dann ist ja alles ok. ;-) Es gibt darüber hinaus noch weitere Styleguides wie Glitzerschuhe, Sonnenbrille oder Sneakers und einige mehr. Außerdem viele praktische Tipps und Kombinationsvorschläge.

Der wahre Schatz des Buches

Zwischen diesen einzelnen Kapiteln eingestreut sind 11 Portraits – und sie sind der wirkliche Schatz dieses Buches. Sie machen es besonders. Denn jedes dieser Portraits zeigt, was dieses Buch sagen will: Jede Frau ist schön. Jeder Stil hat seine Berechtigung. Schön ist, was der Trägerin gefällt. Und je wohler sie sich in ihrem Look fühlt, desto schöner wird sie selbst. 11 Frauen zeigen sich, fotografisch wunderbar in Szene gesetzt von Martina Klein. Sie erzählen von sich, von ihren Lieblingsklamotten, von so genannten Key Pieces, sie berichten aus ihrem Leben, erzählen, was Ihnen Trends und Mode bedeuten. Diese Portraits sind motivierende Texte über inspirierende Frauen.

Schön zu sehen, dass auch das Thema Nachhaltigkeit – wichtig! – seinen Platz in diesem Buch hat und mode- und stilbewussten Frauen wichtig ist. Ein schöner Satz in diesem Zusammenhang: „Das nachhaltigste Kleidungsstück ist das, das man schon besitzt.“ Oder: „Brauchen wir wirklich immer häufiger von allem mehr?“

Nein, brauchen wir nicht. Und auch Mode ist völlig überflüssig. Wir brauchen nur unseren jeweils eigenen Stil. Und wenn man ganz genau hinsieht, hat den jede von uns. Dabei spielt es gar keine Rolle, WAS konkret man trägt. Viel wichtiger ist in diesem Zusammenhang das WIE und vor allem das WER.

So. Und jetzt räume ich meinen Kleiderschrank auf und schau mal, ob ich eine weiße Bluse finde, die nicht spannt. Außerdem suche ich meine bunte Schirmmütze, die ich früher so gerne getragen habe. Seit sicher 20 Jahren nicht mehr. Bin zu alt dafür. Dachte ich. Aber hey, seitdem ich die „Die beste Zeit für guten Stil“ gelesen habe, sehe ich das komplett anders.

Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass ICH tatsächlich ein ganzes Buch über Mode von vorne bis hinten durchlese, und dass es mir sogar gefällt. Aber ich hätte ja auch niemals gedacht, dass eine GRÜNE Bundeskanzlerin werden könnte. In diesem Sinne – die Zeit der immergleichen Blazer ist vorbei. #allesistdrin

Susanne Ackstaller, Martina Klein, Veronika Gruhl

Die beste Zeit für guten Stil
Fashion for Women. Not Girls.
25,00 €

16.0 x 23.2 cm,

Flexicover mit Klappen, 176 Seiten

ISBN 978-3-95728-444-0

Erhältlich überall und hier im Knesebeck Verlag

 

 

*Ich wurde zu diesem Beitrag weder aufgefordert, noch hat mich jemand dafür bezahlt. Dennoch bin ich verpflichtet, ihn als Werbung zu kennzeichnen.

Maria Almana: Wer schreibt, darf eigensinnig sein*

Ich bin relativ spät dran mit dieser kleinen Besprechung von „Wer schreibt, darf eigensinnig sein“ von Maria Almana. Denn erschienen ist das Buch bereits im Dezember 2020. Aber dieser zweite Band von Almanas Eigensinn-Trilogie hat 378 Seiten und die wollen im vollgepackten Alltag erst mal gelesen sein. Aber nachdem ich bereits Teil 1 gelesen hatte, war klar, dass ich auch in Teil 2 reingucken muss. Die Eigensinn-Trilogie ist keine Serie von Ratgeber-Texten. Zumindest nicht im eigentlichen Sinn. Ich würde eher sagen, es sind „Anstupser“, Motivationsbücher. Texte, die sagen: Mach doch, du darfst das. Sei wie du willst und vor allem, schreib wie du willst. Dabei geht es – nicht nur – um Stilfragen und Regeln, es geht auch um Tricks und Tipps und es geht vor allem um SIE. Um mich. Um die Leser*innen und zuvorderst um die Schreiber*innen Maria Almana begleitet Autoren in „Wer schreibt, darf eigensinnig sein“ auf ihrem Weg ins Abenteuer Schreiben. Und dabei leitet sie ein Mantra:

Alles ist möglich. Und Eigensinn ist richtig.

Wer Maria Almana kennt – persönlich, von ihren Blogs, ihrer Arbeit oder aus der Lektüre des ersten Bandes der Eigensinn-Trilogie, weiß, dass sie keine Autorin ist, die sich kurz fasst. Eigensinnig formuliert sie ihre Gedanken so ausführlich, wie sie ihr in den Sinn kommen. Man mag denken, ein Kapitel „In eigener Sache“ am Anfang eines Buches sei eine Art Vorwort und Vorworte sind normalerweise recht kurz, erst recht, wenn es um Dinge „in eigener Sache“ geht. Da fasst sich die Autorin kurz, will die Leserschaft am Anfang nicht gleich mit sich selbst langweilen, und als Leser*in will man gleich zur Sache kommen, weshalb man dieses Buch gekauft hat und nun lesen will. Aber zunächst geht es 10 ganze einleitende Seiten lang um Maria Almanas „eigene Sachen“. Bei Licht besehen jedoch merkt man recht schnell, man ist schon mitten drin im Thema. Das ist Eigensinn. Und genau darum geht es schließlich. Darum wie SIE schreiben. Welcher Schreibtyp SIE sind. Und was SIE leiten soll, wenn Sie sich entschließen zu schreiben. Es sind 10 Seiten, die sich lohnen. Und die verstehen lassen, warum das nächste Kapitel mit „50 Menschen, 50 Perspektiven“ überschrieben ist:

„Es gibt so viele Wege zum Eigensinn, wie es Individuen auf der Welt gibt.“

Das Buch ist dick, aber es liest sich „weg wie nix“. Das liegt daran, dass es der Autorin gelungen ist, die zwar episch breit formulierten Inhalte in leicht verdauliche Päckchen zu packen. Und das ist auch gut so. Das Buch ist eines von der Sorte, wo man immer mal wieder den Blick hebt, innehält und nachdenkt, reflektiert. Über sich selbst, den eigenen Schreibstil oder auch über das Werk, an dem man gerade sitzt. Außerdem – auch das ist typisch Almana – gibt es reichtlich Gelegenheit, herauszufinden, was man möglicherweise noch nicht genau kennt: die eigene Perspektive. Und natürlich gehen etliche Tests der Frage nach: Welcher Schreibtyp bin ich eigentlich? Für alle, die gerne Psychotests und ähnliches machen, ist dieses Buch per se interessant.

Unterwegs zum eigenen Buch

Irgendwo las ich, dass dieses Buch kein Schreibratgeber sein, sondern eher ein Reiseführer. Und so fühlt man sich auch wie auf Reisen und das liegt nicht nur an der Kapitelüberschrift, die mit „Unterwegs“ beginnt. Das liegt auch daran, dass man bei der Lektüre das Gefühl hat, das man weiterkommt, dass man _sich_ entwickelt und auch mehr Mut. Mehr Mut zum Eigensinn.

En passant erfährt unterwegs auch eine Menge darüber, was man als Autor*in jenseits des Schreibens wissen sollte. Zum Beispiel widmet die Selfpublishing-Expertin Almana dem Thema Selbstverlag ein ganzes, langes Kapitel. Wer das gelesen hat, ikommt der Entscheidung „Selfpublishing – ja oder nein?“ einen deutlichen Schritt näher.

Biber – Fledermaus – Maulwurf

Und immer wieder eingestreut zwischen sämtlichen Themen rund ums (Sach)Bücher schreiben weitere Testfragen: „Welcher Schreibtyp sind Sie?“ Am Schluss des Buches dann eine Auswertungstabelle und natürlich die Auswertung? Welcher Schreibtyp sind Sie? Ich bin eine multiple Persönlichkeit, nämlich Biber, Fledermaus und Maulwurf. Und wenn ich mir die Beschreibungen so durchlese, erlebe ich mich kopfnickend. Ja. So bin ich – mal so, mal so. Und dann wieder so. Ziemlich eigensinnig. Dass ich mich damit als Autorin mehr als wohlfühlen darf, hat mir die Lektüre von Maria Almanas zweitem Eigensinn-Band deutlich vor Augen geführt. Und was noch viel toller ist – sie hat mir neue Lust aufs Schreiben gemacht.

Das gesamte Buch ist übrigens ein Gemeinschaftprojekt lauter Netzwerkkolleginnen. Das Cover hat Uschi Ronnenberg gestaltet und die wunderbare Titel-Illustration stammt von Susanne Taggruber. 

Noch mehr Eigensinn von Maria Almana gibt’s hier.

Tredition 12/2020

ISBN-13: 9783347152595

Bestellnummer: 10381330

Umfang: 384 Seiten

€ 22,99

Kaufen können Sie das Buch überall im Buchhandel und online gleich hier in der Autorenwelt.

 

 

 

 

*Ich wurde für diesen Beitrag weder bezahlt noch beauftragt, dennoch bin ich verpflichtet, ihn als Werbung zu kennzeichnen.

Maria Almana: Mein Kompass ist der Eigensinn*

Ich kenne Maria Almana schon eine Weile. Ich kenne sie als wortstarke und als enthusiastische Frau. Als kluge und als humorvolle Frau. Als warmherzige und als mutige Frau. Ganz klar, dass ich jetzt auch unbedingt ihre eigensinnige Seite kennenlernen wollte. (Wobei – bei Licht besehen wusste ich schon, dass sie eigensinnig ist. Ich hab nur nie drüber nachgedacht und das Wort auch so gar nicht in meinem aktiven Gebrauchswortschatz. Schon gar nicht in dieser positiven Konnotation, wie sie schon der Titel und das Cover dieses ersten Bandes der Almana-Trilogie vermitteln.)

Apropos Cover – die liebevolle und äußerst sympathische Illustration auf dem Titelbild verdient unbedingt Erwähnung. Sie stammt aus der Feder von Dr. Susanne Taggruber, deren Kunst man unter https://sudelsurium.de/ näher bewundern kann. Sie verleiht diesem Sachbuch von vorneherein eine Leichtigkeit, ermutigt quasi zum Aufschlagen des Buches, sie suggeriert: Komm nur näher. Es erwartet dich garantiert keine Langeweile.

„Für alle, die anders sind. Wir sind viele.“

Und so ist es dann auch. Man schlägt das Buch auf und das erste, was mir ins Auge fiel, war die Widmung: „Für alle, die anders sind. Wir sind viele.“ Viele? Gehöre ich selbst möglicherweise auch dazu? Ich hab mich das noch nie gefragt – spielt Eigensinn bei meinem Tun eine Rolle? Und was ist das überhaupt genau, dieser Eigensinn?

Als hätte Maria Almana das gewusst, dass man sich solche Fragen stellt, beginnt sie ihr Buch dann auch mit einem „Blick auf den Eigensinn“ und klärt diese Frage sofort im ersten Kapitel, in dem sie fragt: „Sind Sie eigensinnig?“

Es folgen ca. 15 Oberkapitel mit jeweils etlichen kürzeren Unterkapiteln, in denen die Autorin den Eigensinn auf alle nur denkbaren Arten untersucht, eingrenzt, abgrenzt, beschreibt und bewertet. Das klingt möglicherweise ein wenig ermüdend, ist es aber ganz und gar nicht. Denn Maria Almana wechselt sehr geschickt zwischen den Textsorten, zwischen Beispielen, Zitaten, Erklärungen, Theorien, Frage-Spielen hin und her, dass es eine Freude ist. Sogar unterschiedliche Buchgenres nimmt sie in punkto Eigensinn unter die Lupe. Sogar das Genre Wörterbuch kommt vor. Darüber will sie erklärtermaßen gar nichts sagen. Am Ende ist dieses Unterkapitel – typisch Almana – dann doch eine Seite lang. Und man hat dieses „Gar nichts“ mit echtem Interesse gelesen und dabei sogar noch noch was gelernt. So macht Sachbuchlesen Freude.

„Mein Kompass ist der Eigensinn“ ist eines der lebendigsten und zugleich persönlichsten Sachbücher, das ich je gelesen habe. Spannend auf seine Art. Eigensinnig eben.

Maria Almana
„Mein Kompass ist der Eigensinn – Ermutigung zum eigensinnigen Schreiben“
tredition Verlag
ISBN 978-3-347-01828-0
Erhältlich überall im Buchhandel, bei tredition und hier in der Autorenwelt

 

 

Noch mehr Eigensinn gefällig? Dann bitte hier entlang.

*Unbezahlte Rezension - dennoch als Werbung zu kennzeichnen.

Inspirierendes Geschichtenbuch aus Mönchengladbach

Foto: Detlef Ilgner

Ich bin in Brüggen geboren und habe – abgesehen von meinem dritten Lebensjahrzehnt – immer in dieser Region gelebt. Ich kenne Mönchengladbach also vom Einkaufen, von Theater- und Kulturveranstaltungen, vom Fußball und ein paar Jahre habe ich sogar mal mein Büro in dieser Stadt gehabt. Eine Stadt, die ich ehrlich gesagt gar nicht so richtig als Stadt wahrgenommen habe. Nicht in dem Sinne, dass man sich mit ihr auseinandersetzt, dass man sie kennenlernen und erleben möchte. Für mich war Gladbach eben die nächstgrößere Ansiedlung zu meinem Wohnort Waldniel – der Ort, wo man erledigt und besorgt, was es auf dem Dorf nicht gibt, nicht besonders schön, eher im Gegenteil, ohne viele Highlights, keine Stadt, die ich meinem Besuch von außerhalb zeigen würde. (Ausnahme: Museum Abteiberg!)

Und dann erscheint da so ein Buch, auf dessen Klappentext steht:

„Entdecken Sie 111 Orte in Mönchengladbach, an denen die Stadt ihre Seele zeigt.“

111 Orte? 111? Wo sollen die denn sein?
Und Seele? Mönchengladbach hat eine Seele?
Pfff.

Aber Garnet Manecke und Vera Anders haben mich mit ihrem nun in der emons-Reihe erschienenen Buch „111 Orte in Mönchengladbach, die man gesehen haben muss“ (Keine Ahnung übrigens, warum der Verlag auf all seinen Covern aufs Komma verzichtet.) eines Besseren belehrt. Aber so was von. In ihrem Vorwort schreibt Garnet Manecke, dass ich mit meiner – um es mal drastisch auszudrücken – arroganten MG-Ignoranz gar nicht so allein dastehe. Offenbar wurde den Autorinnen im Vorfeld auch von anderen diese Skepsis entgegengebracht, dass es in Mönchengladbach unmöglich 111 Orte geben könne, mit denen man ein solches Buch füllen kann.

Tolle Orte, tolles Konzept

Aber man kann. Und zwar auf äußerst unterhaltsame Weise. Es liegt auch am Konzept dieser Buchreihe – und ich bin sicher, das ist eine Erklärung für ihren großen Erfolg – dass man sie gerne liest. Jede Geschichte besteht aus einer Doppelseite – eine Seite Text, eine Seite Bild mit den wichtigsten Daten und noch einem weiteren Tipp. So gesehen – hat das eigentlich jemals jemand gesagt? – es sind 222 Orte in MG, die dieses Buch vorschlägt.

Schon das Inhaltsverzeichnis macht Spaß zu lesen. Witzigerweise alphabetisch hüpft man da durch Mönchengladbachs Stadtteile hin und her. Wer jetzt denkt, dass man die doch besser nach Lage in Gruppen zusammengefasst hätte – nicht nötig. Denn für die Planung eines Ausflugstages gibt’s im Anhang des Buches äußerst praktische Stadtpläne, in denen die Orte – jeder hat eine eindeutige Nummer – eingezeichnet sind.

Manche Orte, wie zum Beispiel die Kaiser-Friedrich-Halle, die man vielleicht erwartet, findet man nicht in diesem Buch. Warum auch? Die ist sicher schon in diversen anderen Büchern vorhanden. Andere prominente Gebäude wie das Münster oder Schloss Wickrath haben Einzug gefunden, allerdings meist mit Details, die man sonst so nicht erwähnt findet oder die man auch als Mönchengladbacher vielleicht noch gar nicht wahrgenommen hat.

Meine Lieblingsorte

Mir persönlich haben die Orte am besten gefallen, die im Grunde gar keine sind. Gruby, der Papiercontainer, die Lichthof-Werbung, die alte Tanke, der kitschigste Blumenladen, den ich kenne oder – als Tipp am Rande – das Schlagloch.  Oder die, die davon erzählen, dass Pilates und auch die soziale Gesetzgebung in Mönchengladbach erfunden wurden. Und dass man über den „Mittelpunkt“ von Mönchengladbach, über „die wahre Stadtmitte“ irgendwo mitten auf einem Acker im Nirgendwo eine ganze Seite schreiben kann, die man vom ersten bis zum letzten Satz aufmerksam durchliest, zeigt vor allem eines: Garnet Manecke kann schreiben! Sie überzeugt mich hier als wunderbare Geschichtenerzählerin.

Überhaupt ist das der wahre Reiz dieses Buches – es sind gar nicht die Orte selbst, es sind die Geschichten, die die Autorinnen von diesen Orten erzählen. Die Geschichten, die diesen Orten und damit der Stadt Mönchengladbach die Seele einhauchen, die es verdient auf den Klappentext dieses Buches geschafft hat.

Reiseführer? Geschichtenbuch!

Vielleicht ist es der oder dem ein oder anderen aufgefallen, dass ich das Buch an keiner Stelle in meinem Beitrag „Reiseführer“ nenne. Das ist kein Zufall. Für mich ist es kein Reiseführer. Reiseführer liest, wer eine Stadt besucht, wer sich nicht auskennt, wer Orientierungshilfe auf fremdem Terrain braucht. Dieses Buch aber können alle lesen. Die, dich sich auskennen, werden garantiert (!) Dinge entdecken, die sie noch nicht kannten. Die, die sich nicht auskennen, werden Lust bekommen, Mönchengladbach zu besuchen und kennenzulernen. Und selbst die, die Mönchengladbach weder kennen, noch vorhaben, jemals hinzufahren, könnten dieses Buch mit Gewinn lesen. Denn in erster Linie lehrt es seine Leser*innen eines: Wo auch immer du lang gehst, welchen Ort, welche Stadt du auch besuchst, schau ganz genau hin. Überall gibt es Dinge zu entdecken, die ihre Geschichte erzählen wollen. Mich inspiriert dieses Buch total zu einem neuen Hobby: Geschichten suchen.

Garnet Manecke, Vera Anders
111 Orte, die man in Mönchengladbach gesehen haben muss
240 Seiten
Emons Verlag 2019
ISBN: 978-3740806064
€ 16,95

 

Dieser Beitrag ist keine bezahlte Rezension. Es gibt Bücher, die müssen einfach besprochen werden. Werbung aus Überzeugung eben.

 

Blogpost Anatomie: Content Hacks to Go – das Workbook

Moving Target hieß das Blog, das ich immer las, geschrieben von einer gewissen Melody aka Carola Heine. Dieses „Internettagebuch“ faszinierte mich und eines Tages nach der Jahrtausendwende war klar: Ich will auch so ein Weblog.

Mein erstes Blog war das TXT-Guckloch und leider existiert es heute nicht mehr. Aber alles, was ich seither – also in den letzten knapp 20 Jahren – in Sachen Blogs getan, geschrieben, gepostet habe, geht auf diese Anfänge zurück. Und auf Workshops  bei Carola Heine, sowie auf ihre unzähligen privaten Tipps, Hinweise und Hilfestellungen. Längst habe ich das Bloggen professionalisiert und schreibe auch für Kundinnen und Kunden in deren Blogs regelmäßig. Man sollte also meinen, ich weiß schon alles, was Carola Heine in ein Buch übers Bloggen schreiben könnte.

Trotzdem liegt nun hier das Workbook zu „Blogging für Profis – Blogpost Anatomie – Content Hacks to Go [1] auf meinem Schreibtisch. Mir war klar, wenn Carola Heine aus ihrem unfassbar großen Erfahrungsschatz schöpft, sind sehr viele Dinge dabei, die auch einer alten Häsin wie mir sehr sehr dienlich sein können. Es ist kein Buch für Anfänger*innen, sondern richtet sich an professionelle Blogger*innen. Ein Nachschlagewerk für Profis und ein Praxishandbuch mit vielen hilfreichen Checklisten, Hinweisen zur optimalen Semantik und ultimativen SEO-Tipps. Dieses Workbook motiviert, sich sofort hinzusetzen und alle wichtigen Blogpostings zu überarbeiten. Weil dafür aber vermutlich keine Zeit ist, will und wird man es zumindest ab sofort noch besser, noch durchdachter, noch effizienter machen.

„So bloggen Profis“ ist ein Kapitel im Workbook überschrieben. Das könnte auch der Titel des gesamten Buches sein, denn wer dieses Workbook durchgearbeitet hat und seine Tipps und Ratschläge beherzigt, kann sich mit Fug und Recht Profi nennen.

Neben den Inhalten gefällt mir übrigens der Schreibstil der Autorin ganz besonders. Sie schafft es, dass ich sogar einen Text über HTML, Keyword-Platzierung oder Open-Graph-Tags von Anfang bis Ende durchlese. Das liegt vor allem daran, dass sie kein Wort zuviel schreibt. Das ist die ganz große Stärke der Autorin: Da wird nicht viel drumherum getextet. Carola Heine kommt auf den Punkt.

5 Sterne und absolute Kauf- und Leseempfehlung.

Ich wurde für diese kleine Rezension nicht bezahlt, weder mit Geld, noch mit Buch, aber manche Bücher müssen empfohlen werden. Es handelt sich also um Werbung aus Überzeugung.


Blogging für Profis: Blogpost-Anatomie
Content Hacks to go 1: WORKBOOK
Effiziente Blogpost-Briefings. Erhöhte Online-Sichtbarkeit. Erfolgreicher bloggen.
Taschenbuch, 120 Seiten, 18. Juli 2019
ISBN: 978-3948033095
€ 19,99

 

Rezension: Buchgenres kompakt*

„Buchgenres kompakt – Handbuch der Genres von Actionthriller bis Zeitgeschehen“ – „Was es nicht alles gibt“, das war mein erster Gedanke, als ich von diesem Buch erfuhr. Ein Buch über Buchgenres. Was sollte man darüber schon schreiben? In meinem Kopf gab es Liebesromane, Historienromane, Krimis, Thriller, Science fiction, Fantasy, Sachbücher, Biografien. Fertig. Also um es sehr vereinfacht mal zusammenzufassen. Mir war klar, dass es da noch die ein oder andere Unterart oder den ein oder anderen Ableger geben würde. Aber ein ganzes Buch mit nix als Buchgenres? Man merkt meinen Gedanken nicht an, dass ich in grauer Vorzeit mal Germanistik studiert habe, oder? ;-) Aber vielleicht war es dann doch das germanistische Interesse, dass mich neugierig werden ließ auf dieses neue Buch der Schreibtrainerin Anette Huesmann.

Mit akribischer Sorgfalt hat sie ein Nachschlagewerk geschaffen, in dem Interessierte von Actionthriller bis Zeitgeschehen nahezu 100 Genres ausführlich erläutert bekommen, weitere 80 Genres und Subgenres werden uns in Stichworten vorgestellt und wir lernen fast 200fach, dass es für jeden Begriff auch immer noch Synonyme gibt.

Das Buch gibt wirklich einen umfassenden Überblick über die Genres und zeigt noch etwas: es liegt nicht an mir, wenn ich in der Vergangenheit beim ein oder anderen Buch nicht sicher war, in welche Schublade ich es stecken soll. Denn – auch das zeigt Huesmanns intensive Auseinandersetzung mit dem Thema – Genres sind bei weitem nicht immer eindeutig. Überschneidungen oder Zweifelsfälle sind völlig normal.

Gut gefallen hat mir, dass Anette Huesmann nicht nur auflistet, sondern die Genres detailliert beschreibt: Charakteristik, Entstehung, Besonderheiten. Ihre ausführlichen, aber dennoch nicht ermüdenden Erläuterungen rundet sie mit Beispielen für das jeweilige Genre ab. Und so weiß ich jetzt, um nur ein Beispiel zu nennen, dass man Bücher wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ dem Genre Entwickungsroman zuordnet und zwar – um genau zu sein – dem bisher nie gehörten Subgenre ‚Sick-Lit‘.

Am Ende des Buches gibt es sinnvollerweise einen Index mit alphabetischer Nennung sämtlicher Genres, Subgenres und Fachbegriffe. Wenn man diese Begrifflichkeiten dann so geballt dort aufgelistet sieht, könnte man sich schon bei dem ein oder anderen Wort fragen: Meinen die das ernst? Bumbling Detective Mystery, Cli-Fi, Chick-Lit, Flintlockfantasy oder eben das schon erwähnte Sick-Lit. Und bei Gartenkrimi, Genusskrimi, Gerichtskrimi, Häkelkrimi oder Friedhofkrimi denk ich schon ein bisschen: man kann’s auch übertreiben mit der Klassifiziererei. Andererseits – warum nicht? Autoren und Autorinnen (Anette Huesmann hätte hier auch noch das * verwendet, sie gendert korrekt Autor*innen) könnten diesen Index durchaus zur Inspiration nutzen. Wie wäre es mit einem Schwimmbadkrimi oder mit einem Weinbergthriller als Untergenre zum Regionalkrimi?

Die Autorin Dr. Anette Huesmann hat mit diesem Buch ein sehr gut strukturiertes Nachschlagewerk geschaffen, in dem man sich festliest, wenn man etwas nachschlägt. Vor allem die Entstehungsgeschichten fand ich oft spannend. Ich habe vieles erfahren, das ich vorher noch nicht wusste.

Wenn man mich nun fragt: Brauche ich dieses Buch? dann würde ich antworten: Ja, wenn du dich im Dschungel der Buchgenres orientieren willst, wenn du noch sehr viel mehr Genres kennenlernen möchtest, als du bisher schon kanntest und ja, vor allem dann, wenn du Autor oder Autorin bist und dein eigenes Werk besser und präziser zuordnen möchtest. Außerdem erfährst du auch, warum eine klare Genrezugehörigkeit von den Lesern und Leserinnen oft belohnt wird und kannst Rückschlüsse ziehen, warum sich ein zu lockerer Umgang mit dem Thema Genre durchaus negativ auf den Absatzdeines Buches auswirken könnte.

Das Titelbild dieses Handbuchs der Genres wurde übrigens perfekt gewählt. Es ist – einem sachlichen Nachschlagewerk angemessen – zurückhaltend und dennoch ausdrucksstark. Ein aufgeschlagenes Buch, dargestellt als astronomisches Universum mit einer Galaxie aus vielen großen und noch sehr viel mehr kleinen Planeten und Sternen. Eine galaktische Welt, so unüberschaubar, wie ganz offensichtlich auch die Welt der Buchgenres. Dr. Anette Huesmann hat sich in diese Welt, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat, ;-) vorgewagt und lässt uns mit ihrem Buch nun teilhaben an den Ergebnissen ihrer Reise.

Foto: Book on demand

Anette Huesmann: Buchgenres kompakt. Handbuch der Genres von Actionthriller bis Zeitgeschehen, Norderstedt 2019, BoD Books on Demand, ISBN 978-3-74814511-0, Softcover, 188 Seiten, Format: 14,8 x 1,1 x 21 cm, Buch: EUR 14,99, Kindle: EUR 9,99.

 

 

 

 

 

 

 

Werbung: Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.