Rezension: Buchgenres kompakt*

„Buchgenres kompakt – Handbuch der Genres von Actionthriller bis Zeitgeschehen“ – „Was es nicht alles gibt“, das war mein erster Gedanke, als ich von diesem Buch erfuhr. Ein Buch über Buchgenres. Was sollte man darüber schon schreiben? In meinem Kopf gab es Liebesromane, Historienromane, Krimis, Thriller, Science fiction, Fantasy, Sachbücher, Biografien. Fertig. Also um es sehr vereinfacht mal zusammenzufassen. Mir war klar, dass es da noch die ein oder andere Unterart oder den ein oder anderen Ableger geben würde. Aber ein ganzes Buch mit nix als Buchgenres? Man merkt meinen Gedanken nicht an, dass ich in grauer Vorzeit mal Germanistik studiert habe, oder? ;-) Aber vielleicht war es dann doch das germanistische Interesse, dass mich neugierig werden ließ auf dieses neue Buch der Schreibtrainerin Anette Huesmann.

Mit akribischer Sorgfalt hat sie ein Nachschlagewerk geschaffen, in dem Interessierte von Actionthriller bis Zeitgeschehen nahezu 100 Genres ausführlich erläutert bekommen, weitere 80 Genres und Subgenres werden uns in Stichworten vorgestellt und wir lernen fast 200fach, dass es für jeden Begriff auch immer noch Synonyme gibt.

Das Buch gibt wirklich einen umfassenden Überblick über die Genres und zeigt noch etwas: es liegt nicht an mir, wenn ich in der Vergangenheit beim ein oder anderen Buch nicht sicher war, in welche Schublade ich es stecken soll. Denn – auch das zeigt Huesmanns intensive Auseinandersetzung mit dem Thema – Genres sind bei weitem nicht immer eindeutig. Überschneidungen oder Zweifelsfälle sind völlig normal.

Gut gefallen hat mir, dass Anette Huesmann nicht nur auflistet, sondern die Genres detailliert beschreibt: Charakteristik, Entstehung, Besonderheiten. Ihre ausführlichen, aber dennoch nicht ermüdenden Erläuterungen rundet sie mit Beispielen für das jeweilige Genre ab. Und so weiß ich jetzt, um nur ein Beispiel zu nennen, dass man Bücher wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ dem Genre Entwickungsroman zuordnet und zwar – um genau zu sein – dem bisher nie gehörten Subgenre ‚Sick-Lit‘.

Am Ende des Buches gibt es sinnvollerweise einen Index mit alphabetischer Nennung sämtlicher Genres, Subgenres und Fachbegriffe. Wenn man diese Begrifflichkeiten dann so geballt dort aufgelistet sieht, könnte man sich schon bei dem ein oder anderen Wort fragen: Meinen die das ernst? Bumbling Detective Mystery, Cli-Fi, Chick-Lit, Flintlockfantasy oder eben das schon erwähnte Sick-Lit. Und bei Gartenkrimi, Genusskrimi, Gerichtskrimi, Häkelkrimi oder Friedhofkrimi denk ich schon ein bisschen: man kann’s auch übertreiben mit der Klassifiziererei. Andererseits – warum nicht? Autoren und Autorinnen (Anette Huesmann hätte hier auch noch das * verwendet, sie gendert korrekt Autor*innen) könnten diesen Index durchaus zur Inspiration nutzen. Wie wäre es mit einem Schwimmbadkrimi oder mit einem Weinbergthriller als Untergenre zum Regionalkrimi?

Die Autorin Dr. Anette Huesmann hat mit diesem Buch ein sehr gut strukturiertes Nachschlagewerk geschaffen, in dem man sich festliest, wenn man etwas nachschlägt. Vor allem die Entstehungsgeschichten fand ich oft spannend. Ich habe vieles erfahren, das ich vorher noch nicht wusste.

Wenn man mich nun fragt: Brauche ich dieses Buch? dann würde ich antworten: Ja, wenn du dich im Dschungel der Buchgenres orientieren willst, wenn du noch sehr viel mehr Genres kennenlernen möchtest, als du bisher schon kanntest und ja, vor allem dann, wenn du Autor oder Autorin bist und dein eigenes Werk besser und präziser zuordnen möchtest. Außerdem erfährst du auch, warum eine klare Genrezugehörigkeit von den Lesern und Leserinnen oft belohnt wird und kannst Rückschlüsse ziehen, warum sich ein zu lockerer Umgang mit dem Thema Genre durchaus negativ auf den Absatzdeines Buches auswirken könnte.

Das Titelbild dieses Handbuchs der Genres wurde übrigens perfekt gewählt. Es ist – einem sachlichen Nachschlagewerk angemessen – zurückhaltend und dennoch ausdrucksstark. Ein aufgeschlagenes Buch, dargestellt als astronomisches Universum mit einer Galaxie aus vielen großen und noch sehr viel mehr kleinen Planeten und Sternen. Eine galaktische Welt, so unüberschaubar, wie ganz offensichtlich auch die Welt der Buchgenres. Dr. Anette Huesmann hat sich in diese Welt, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat, ;-) vorgewagt und lässt uns mit ihrem Buch nun teilhaben an den Ergebnissen ihrer Reise.

Foto: Book on demand

Anette Huesmann: Buchgenres kompakt. Handbuch der Genres von Actionthriller bis Zeitgeschehen, Norderstedt 2019, BoD Books on Demand, ISBN 978-3-74814511-0, Softcover, 188 Seiten, Format: 14,8 x 1,1 x 21 cm, Buch: EUR 14,99, Kindle: EUR 9,99.

 

 

 

 

 

 

 

Werbung: Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Rezension: Liebe geht durch den Garten*

Coverfoto: (c) DIANA-Verlag

Die alleinerziehende Anna lebt mit ihren beiden Söhnen in der Stadt. In der Dachgeschosswohnung, die für die freiberufliche Illustratorin zugleich auch Homeoffice ist, träumt sie von einem Leben im Grünen. Nachdem ihre Nachbarin und Vermieterin ihr vom Gärtnern im Kleingartenverein vorgeschwärmt hat, geht ihr ein eigener Garten nicht mehr aus dem Kopf. Sie pachtet einen verwilderten Schrebergarten und freut sich auf so idyllische wie entspannte Stunden im Grünen.

Aber vor die Idylle hat der Gott des Gartens erst mal viel und harte Arbeit gesetzt. Das Gartenhäuschen ist nicht nur kaputt, sondern auch total zugemüllt, der ganze Garten ist komplett verwildert, die Hecke braucht dringend einen Schnitt und Anna ist von all der Arbeit völlig überfordert. Auf Unterstützung aus dem Freundeskreis hofft sie vergeblich und ihre Söhne spielen lieber am Computer als im Garten. Doch dann taucht der Gartennachbar Paul auf. Der äußerst attraktive Mann bietet Anna seine Hilfe an. Aber es gibt noch mehr Nachbarn in der Kleingartenanlage. So auch die Anwältin Dr. Sabine Rodenberg. Sie interessiert sich ebenfalls sehr für den schönen Paul und erscheint für Annas Geschmack immer im falschen Moment auf der Bildfläche. Der Kampf um die Liebe des schönen Nachbarn beginnt.

„Liebe geht durch den Garten“ ist Ulrike Hartmanns Debüt-Roman. Und ich nehme es vorweg – es ist ein durchweg gelungenes Debüt. Warum? Weil dieser Roman einfach mit jeder Zeile überzeugend klingt. Man nimmt der Protagonistin Anna und auch allen anderen Figuren ihre Rollen einfach ab. Die Autorin muss eine sehr feinfühlige Beobachterin sein und zeichnet die Charaktere extrem glaubhaft. Wir haben alle jeden dieser Typen schon mal erlebt und deshalb fühlt man sich in jeder Situation irgendwie live dabei.  Außerdem glaube ich zwischen den Zeilen gelesen zu haben, dass Ulrike Hartmann selbst auch schon einmal einen Garten bestellt hat. Denn einen solchen Roman kann nur schreiben, wer das Gärtnern wirklich liebt.

Ihr Stil ist locker und leicht, so muss ein Unterhaltungsroman klingen. An vielen Stellen musste ich schmunzeln und manchmal hab ich sogar laut gelacht. Insgesamt ist es eine liebevolle, sprachliche Leichtigkeit, die die Leserin gefühlvoll durch diesen Roman trägt. Ein besonders kurzweiliger Roman, man möchte ihn gar nicht mehr aus der Hand legen, wenn man einmal angefangen hat. Es war irgendwie anders als bei ähnlichen Büchern. Ich hab mich die ganze Zeit gefühlt, als wäre ich dabei, als säße auch ich mitten in diesem Garten. Und da bleibe ich jetzt ganz einfach sitzen und warte. Auf das nächste Buch von Ulrike Hartmann.

*Werbung: Der Diana Verlag hat mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Ulrike Hartmann
Liebe geht durch den Garten
Roman
München 2019
Diana Verlag
ISBN 978-3-453-35991-8
€ 9,99

Buchtipp: Dornröschen, wir müssen reden!*

Eigentlich müsste ich diesen Satz zu meiner Ideenschmiede im Kopf sagen: „Hey du, wir müssen reden! Warum zum Kuckuck hatte Nina Bodenlosz diese großartige Idee, die ich doch gerne gehabt hätte? Denn genau das hab ich ehrlich gedacht, als ich diesen Titel „Dornröschen, wir müssen reden!“ hörte und vor allem diesen Untertitel zum ersten Mal las: „Märchen, die sich neu erfunden haben.“ Ich war schon begeistert von diesem Buch und hatte doch noch keine einzige Zeile gelesen. Was muss das für einen Spaß gemacht haben, altbekannte, und auch leicht verstaubte Märchen umzuschreiben und sie mit einer neuen Botschaft zu versehen.

Getan hat dies Nina Bodenlosz, wenn sie auch auf dem Klappentext behauptet, sie habe die 14 Märchen mit neuem Inhalt einfach so vorgefunden. Heißt es doch da:

„Nina Bodenlosz schlägt ihr altes Märchenbuch auf und stellt fest: Nichts ist mehr so, wie es gewesen ist. Hier ist der Beweis: 14 Märchen, die sich neu erfunden haben. Die Frau auf dem Turm wartet vergeblich auf Rettung, Prinzessinnen wollen ohne Mann regieren oder lieber mit einem Krimi ins Bett, Rumpelstilzchen liebt die Müllerstochter und Falada, das sprechende Pferd, kann einfach das Maul nicht halten.“

Dieses Märchen kann sie gerne ihrer Großmutter erzählen, ich bin sicher, dass diese Nina Bodenlosz diese Geschichten höchstpersönlich umgeschrieben hat. Ist schließlich nicht das erste Mal, dass sie schreibend in Erscheinung tritt.

Alte Geschichten voller Gegenwart

Dornröschen, Rapunzel oder Rumpelstilzchen und 10 weitere bekannte Märchen (wer jetzt denkt, ich kann nicht bis 14 zählen: Dornröschen kommt zweimal vor)  – die Autorin erzählt all diese Märchenklassiker neu und mit wunderbar selbstbewusstem, weiblichem Humor. Rapunzel ist mit grauen Haaren eindeutig Ü50 und durchaus in der Lage, sich selbst zu befreien. Rumpelstilzchen ist verknallt, Prinzessinnen sind alles andere als zarte, gekrönte Zauberwesen. Und König Drosselbart lernt, dass Frauen lieber bescheiden für sich selbst sorgen, als mit einem zwar stinkreichen, aber selbstherrlichen und selbstverliebten Despoten zusammenzuleben.

Aber es steckt noch mehr Neues in den alten Märchen als „nur“ die Emanzipation, wenn sie auch einen großen Raum einnimmt. Die Autorin trägt weitere Themen der Gegenwart in diese Geschichten aus unseren Kindertagen: Fakenews, Korruption oder das Gehabe von so manch narzistischem Herrscher unserer Tage – die Gegenwart ist präsent in diesen umgeschriebenen alten Geschichten, die in moderner Sprache sowieso gar nicht mehr altmodisch daherkommen.

Dezente, unaufdringliche, aber dennoch eindringliche Illustrationen, gezeichnet von Katarina Pollner, adeln die Texte und geben ihnen zusätzliche Ausdruckskraft. Die einzelnen Geschichten haben Vorlese- oder Bettlektürenlänge. Aber Achtung: Man kann trotzdem nicht nach einer Geschichte aufhören. Mir zumindest ist es so gegangen – ich wollte unbedingt wissen, was mich denn beim nächsten Märchen erwarten würde. Und so liest man sich Märchen für Märchen durch diese Texte und ehe man sich versieht, hat man ein ganzes Märchenbuch gelesen. Denn ja – genau das ist dieses Buch: ein Märchenbuch. Geschichten von früher sind jetzt Märchen von heute. Nina Bodenlosz hat es geschafft, so viele Jahrzehnte, ja Jahrhunderte nach Grimm, Andersen oder Bechstein, deren alte Märchen neu zu erzählen und uns damit zu zeigen: Es gibt immer einen Weg, mit seinem Leben das zu tun, was man möchte. Und sei es auch nur von morgens bis abends Netflix zu schauen. Das Bodenlosz’sche Dornröschen hat es vorgemacht.

Geschenktipp!

Wer noch für die ein oder andere Freundin eine Geschenkidee sucht, der oder die hat sie mit „Dornröschen, wir müssen reden!“ gefunden. Ein ideales Buchgeschenk. Aber Achtung: Selfpublishing. Das Buch ist erschienen bei tredition – wer es bestellt, muss mit ein paar Tagen Lieferzeit rechnen. Also am besten JETZT SOFORT bestellen, wenn man es Weihnachten verschenken will.

Und noch ein Tipp: Das Buch ist erhältlich als eBook, Paperback oder Hardcover. Aber hey – es ist ein Märchenbuch. Ein solches Buch braucht ein festes Cover und vor allem ein Lesebändchen. Ich würde ein solches Buch immer in einer Hardcover-Version verschenken. Macht mehr her und passt einfach besser.

„Dornröschen, wir müssen reden!“ von Nina Bodenlosz ist im tredition Verlag oder alternativ unter der ISBN 978-3-7469-6537-6 überall im Buchhandel erhältlich.

*Werbung aus Überzeugung. Ich wurde für diese Rezension nicht bezahlt.

 

 

Echt genial, dieser geniale Socken-Workshop

Ich stricke schon mein ganzes Leben lang. Ich kann es ganz gut. Pullover, Jacken, Schals, Tücher, Decken – alles Mögliche habe ich schon gestrickt. Aber noch niemals Socken. Ich wollte endlich lernen, wie man Strümpfe strickt. Da passte es mir ganz gut, dass etwa zeitgleich mit dem Aufkommen dieses Wunsches im Topp Verlag ein neues Buch erschien: „Der geniale Socken Workshop“ von Ewa Jostes und Stephanie van der Linden.  Also schrieb ich flugs den Verlag an und bat um ein Rezensionsexemplar. Dieser Beitrag ist also Werbung.

Ein echter Schinken!

Ich erwartete eine dieser Topp-Publikationen, die eher Heft als Buch sind. Aber ich hätte dem Untertitel mehr Beachtung schenken sollen: „Das Standardwerk zum Sockenstricken“. Standardwerke dieser Art haben denn schon mal ein anderes Format und mehr Seiten als die 32 eines Topp-Heftes. In diesem Fall hatte ich es mit einem ausgewachsenen DINA4-Nachschlagewerk mit über 250 Seiten zu tun. Damit fiel auf jeden Fall die Idee flach, das Buch mit in den Urlaub zu nehmen, um es dort zu lesen. Viel zu groß, viel zu schwer. Sockenwolle nahm ich aber dennoch mit und behalf mir mit einer Anleitung aus dem Internet.

Im Urlaub hab ich dann tatsächlich den ersten und bisher einzigen Strumpf meines Lebens gestrickt. Er ist sogar ganz gut gelungen, wie ich finde. Also so für einen Erstling. Ich fürchte allerdings, er wird ein Einzelstück bleiben. Denn bisher konnte ich mich noch nicht aufraffen, Socke Nummer 2 zu stricken. Zweimal hintereinander exakt dasselbe zu stricken, ist einfach ziemlich wenig abwechslungsreich. ;-)

Geballtes Strick-Know-how

Den „genialen Sockenworkshop“ hab ich mir dann aber dennoch angesehen. Was da zwischen zwei Buchdeckeln steckt, ist wahrlich geballtes Strick-Know-how. Die Autorinnen schreiben über Dinge wie z .B. die Bumerang-Ferse oder die Schnecken-Spitze, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt.  Und sie stricken sie auch. Ob Anschläge, Bündchen, Fersen, Spitzen – alles ist mit Beispielen illustriert. Hilfreich auch: Maschentabellen für verschiedene Garnstärken. Es gibt hier wirklich nichts im großen Sockenstrick-Universum, das nicht beschrieben und erklärt wird. Der „geniale Sockenworkshop“ verhilft Anfänger*innen zur ersten Socke und Fortgeschrittenen zu wahren Sockenkunstwerken. Denn auch das gibt es in diesem Buch: kreative und phantasievolle Muster und Formen. Alle möglichen Arbeitstechniken werden auf 256 Seiten mit unzähligen Fotos und verständlichen Texten erläutert. Und so mancher oder manchem werden auch die Online-Videos gefallen.

Und was ich vor allem gelernt habe: Ich hätte doch vor dem Urlaub ins Buch schauen sollen, denn dann hätte ich gelernt, wie man zwei Socken gleichzeitig stricken kann. Denn das wird selbstverständlich auch erklärt. Und so werde ich dann vielleicht doch noch zur Sockenstrickerin. Dank des „genialen Sockenworkshops von Ewa Jostes und Stephanie van der Linden aus dem Topp Verlag.

ISBN-13: 9783772481512 – 24,99 Euro

Erhältlich bei jedem Buchhändler oder gleich hier beim Verlag.

Kurzweilige Unterhaltung*

Was macht man an einem nasskalten Sonntag, an dem am Niederrhein jeder Karneval feiert, man selbst aber so gar keine Lust auf Straßenkarneval hat? Na klar, man kuschelt sich in die Sofa-Ecke und liest. Und zwar Katja Heimanns Debütroman: Vitamin V wie Wohnung.

Der Titel hätte auch – wenn es ihn nicht schon geben würde – Pleiten, Pech und Pannen lauten können. Denn genau diese reihen sich in flotter Folge aneinander und erzeugen so eine Atmosphäre von chaotischem Durcheinander, das streckenweise atemlos macht. Ein Missgeschick jagt das nächste in diesem Roman, der sich nur so weg liest, wenn man einmal angefangen hat.

Es geht um Nora und ihren kleinen Sohn Colin, die wegen einer Explosion plötzlich obdachlos sind. Ihr Freund Eggert lässt sie in dieser Notlage in das Haus seiner Freunde Bruno und Rea, die gerade im Urlaub sind. Ein Urlaub aber ist endlich – und so fangen die Schwierigkeiten erst an, als die beiden zurückkehren und sich gezwungenermaßen in einer nicht gewollten WG im eigenen Haus wiederfinden. Dass Nora auf ihrer Suche nach einer neuen Wohnung nicht nur die merkwürdigsten Behausungen, sondern auch einige interessante Männer findet, macht die ganze Geschichte nicht weniger unterhaltsam.

Spannend, wie die Autorin mit den Perspektiven umgeht. Während die Hauptprotagonistin aus ihrer Sicht, also in der Ich-Form erzählt, werden die anderen Figuren in der dritten Person erzählt. Heimann wechselt die Perspektiven immer wieder und zwar so gekonnt, dass es den Lesefluss in keiner Weise stört.

Katja Heimann schreibt und beschreibt sehr detailliert und realitätsgetreu. Man merkt, dass sie entweder sehr gut recherchiert hat, oder aber sich auskennt in der Gegend, in der ihre Figuren sich bewegen. Man könnte also vermutlich auch einen Aufkleber aufs Buch machen: Ein Hamburg-Schmöker.

Vitamin V wie Wohnung ist eine lebendige, humorvolle Geschichte mit großer Erzählfreude und viel Sprachgefühl erzählt – perfekt geeignet für alle, die beim Lesen in erster Linie Entspannung suchen.

Katja Heimann: Vitamin V wie Wohnung. Hamburg, tredition, 332 Seiten, als Paperback € 13,99
ISBN: 9783743969605

*Werbung. Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Tee mit Ayman – Geschichten, die zeigen, wie es wirklich ist*

Wie mittlerweile alle wissen dürften, habe ich im Selfpublishing-Verlag Tredition mein deutsch-arabisches Buch „Umweg Jakarta“ veröffentlicht. Naturgemäß bin ich deshalb öfter Besucher der Website des Verlages und ich hab mir auch angesehen, was denn sonst noch für Bücher dort so erscheinen. Und ich habe auch schon die erste Perle gefunden. Das Buch heißt „Tee mit Ayman – Im Dialog mit Geflüchteten“ und wurde geschrieben von Astrid Ruppert.

Astrid Ruppert ist kein Newbie, sie weiß, was sie tut und das liest man auch. ‚Tee mit Ayman‘ ist bei weitem nicht ihr erstes Buch, sie hat bereits einige Romane und auch Drehbücher veröffentlicht. Und sie hat mir etwas voraus: Ihr erstes Buch wurde bereits verfilmt. ;-) Wer meine Postings rund um  ‚Umweg Jakarta‘ verfolgt hat, weiß, dass das mein Endziel (oder sollte ich sagen Traum) ist: die Verfilmung unserer Geschichte. Ein wenig mehr über Astrid Ruppert kann man hier auf der Verlagsseite nachlesen.

Astrid Ruppert und ich haben noch mehr Gemeinsamkeiten. Wir sind nicht nur beide Autorinnen bei Tredition, wir engagieren uns auch beide seit 2015 ehrenamtlich für Geflüchtete. Und auch Ihre Beweggründe unterschreibe ich vollumfänglich. Sie sagt von sich selbst, dass sie sich engagiert, „weil sie davon überzeugt ist, dass die Erde allen Menschen gleichermaßen gehört und man sich gemeinsam auf ihr arrangieren muss und kann.“

Das, was sie in ihrer täglichen Arbeit mit Geflüchteten erlebt hat, hat sie in lauter kleinen Geschichten aufgeschrieben. Geschichten, die jeder, der sich in der Flüchtlingshilfe engagiert, auf die ein oder andere Art schon erlebt hat. Ich fühlte mich beim Lesen in viele meiner eigenen Besuche bei den Menschen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak oder Iran oder auch aus Somalia, Eritrea und vielen anderen Ländern der Welt versetzt. „Tee mit Ayman“ zeigt, wie es ist. Dass zum Beispiel deutsche Pünktlichkeit schnell gelernt wird, allerdings manchmal an der Sprachbarriere scheitert. (Wer das Buch lesen wird, wird wissen, was ich meine. Eine meine Lieblingsgeschichten. *g) Und es gibt auch eine Geschichte mit dem Titel: „Familiennachzug“ Astrid Ruppert packt den Schmerz der Menschen, die um ihre Familien bangen und vor Sehnsucht vergehen auf einnehmende drei Seiten und ich fühle mit jeder Zeile, wie sie mitfühlt. Zwischen den Zeilen aller Geschichten erfährt man so ganz en passant, wie gut es einem selbst tun kann, wenn man anderen hilft.

Astrid Ruppert erzählt ganz einfach und unaufgeregt, wie es war, als sie diese oder jene oder auch die andere Geschichte erlebte. In einer klaren Sprache, die jeder versteht. Sie erzählt in der Ich-Perspektive und lässt uns so intensiv teilhaben an ihrem eigenen Erleben.

Auf dem Buchrücken steht eine Leserempfehlung von Ralf Müller von Evangelischen Dekanat Alsfeld: „Herausgekommen ist nicht nur ein Lese-, sondern auch ein Lehrbuch. Dieses gehört in die Hand eines jeden Freiwilligen in der Flüchtlingsarbeit.“

Herr Müller hat sicher Recht. Aber ich möchte unbedingt ergänzen: Dieses Buch gehört auch und vor allem in die Hand eines jeden Menschen, der sich bisher noch nicht für Flüchtlinge engagiert. Es hilft, Barrieren abzubauen und Ängste zu nehmen. Ich schreibe übrigens absichtlich nicht ‚Flüchtlingsarbeit‘. Klar, manchmal ist es anstrengend, kostet Zeit und Nerven. Aber insgesamt ist der Kontakt zu unseren neuen Mitbürgerinnen und Mitbürgerinnen eine Bereicherung. Man lernt so viel, man bekommt so viel, und man erfährt auch einiges Neues über sich selbst.

Unbedingte Kauf- und Leseempfehlung. Es ist übrigens auch ein prima Geschenkbuch. Sogar für Menschen, die nicht sooo gerne lesen. Denn die einzelnen Geschichten sind sehr kurz. Und dennoch steckt mehr drin, als in manchem 300-Seiten-Roman.


Astrid Ruppert
Tee mit Ayman
Im Dialog mit Geflüchteten
erhältlich als

Paperback, ISBN: 978-3-7439-2747-6
Hardcover, ISBN: 978-3-7439-2748-3
oder e-Book,  ISBN: 978-3-7439-2749-0

überall im Buchhandel oder direkt bei
Tredition (empfohlen, denn dann hat die Autorin am meisten davon.)

 

*Werbung aus Überzeugung.