Die beste Zeit für guten Stil*

Ich gebe es zu – dieses Buch hab ich nur gekauft, weil die Autorin Susanne Ackstaller heißt. Sie ist eine meiner allerersten Online-Bekanntschaften – wir lernten uns in den 90ern bei den webgrrls kennen, sie ist die Gründerin des besten Netzwerks der Welt, des Texttreffs, dem ich seit seiner Gründung vor 20 Jahren angehöre, sie ist längst mehr als eine Bekannte, sie gehört zu den Personen im großen, weiten Internet, die mir am vertrautesten sind. Sie hat „Die beste Zeit für guten Stil“ geschrieben und ich hab das Buch selbstverständlich gekauft. Dies, obwohl mich das Thema so rein gar nicht interessiert, denn mit Mode habe ich absolut nichts am Hut. Was soll ich mit einem Styleguide?  Sogar meine Buchhändlerin hat sich gewundert und ehrlich irritiert geguckt, als ich das Buch bestellte und es nicht als Geschenk einpacken ließ, weil es ja für mich selbst war.

Die Autorin. Susanne Ackstaller. Foto: Martina Klein/Knesebeck Verlag

Aber ich hatte Susi versprochen, es zu lesen und dabei gedacht: „Na ja, ich werde es mal durchblättern.“ Aber dann hab ich an einer großen Online-Buch-Release-Veranstaltung teilgenommen, für deren Durchführung Susi aka Texterella Lindmanns  Lebendige Onlineveranstaltungen engagiert hatte. Eine riesengroße Veranstaltung mit vielen Teilnehmerinnen und noch mehr ZuschauerInnen. Das war eine der besten, nein die beste Zoom-Veranstaltung, bei der ich jemals war. Auch dort hatte ich mich nur angemeldet, weil es eben Susi war, die einlud, aber echtes Interesse hatte ich nicht. Und dann fand ich mich gebannt und interessiert vor dem Bildschirm wieder. Interviews mit allen Beteiligten, viele Bilder und natürlich auch immer wieder eingestreute Mini-Lesungen der Autorin. Es war einfach großartig. Nach dieser Veranstaltung nahm ich das Buch in die Hand und las los.

Es geht um Mode. Mode?

Es geht um Mode, um deinen, meinen, jederfraus persönlichen (Lieblings)Look. Es geht um Ausdruck von Persönlichkeit. Es geht darum, dass jede alles tragen können darf. Auch vermeintlich Unmodernes. Denn auch „keine Mode“ ist ja ein Statement. Dies drücken bereits die O-Töne auf dem Klappentext aus, was mich direkt ansprach und mir als Modemuffel den Lesestart erleichterte.

Was mir auch ohne ein Wort gelesen zu haben, gleich auffiel:

Das Buch ist schön.

Es ist – obwohl nicht übermäßig dick – gewichtig.

Es ist haptisch besonders. Das Papier ist dicker als man es von Büchern gewohnt ist.

Es ist wirklich ansprechend formatiert und gestaltet.

Bild: Veronika Gruhl/Knesebeck Verlag

Die Illustrationen  von Veronika Gruhl sind fantastisch.

Die Fotos von Martina Klein überzeugen (und machen Lust, jetzt auf der Stelle an den Kleiderschrank zu gehen und einen Look zu kreieren. Ja, doch. Hätte ich auch nie gedacht.)

Die erste „Modefrau“ oder: Mode ist ein Gefühl

Ich schlage das Buch auf und mir springt die Widmung ins Auge: „Meiner Oma. Als Schneiderin war sie die erste ‚Modefrau‘ in meinem Leben.“ Ich denke an meine verstorbene Mutter, die ebenfalls Schneiderin und meine erste ‚Modefrau‘ war. Emotional angesprochen starte ich mit der Lektüre. Das Lesen geht flott – Susis Schreibstil ist klasse. Einfach lesbar. Eingängig. Und total sympathisch. Liest man gerne. Die Aufbereitung der Texte tut ihr Übriges. Hervorhebungen in Rot, Spiel mit Schriftarten und Zwischenüberschriften – ich gleite durch die ersten Seiten der Einführung. Und immer wieder Seiten mit nur einem Satz oder mit einem ganzseitigen Foto einer tollen Frau oder eines Kleidungsstücks. Da wirkt sogar ein weißes Basic-T-Shirt auf weißem Hintergrund echt seitenfüllend cool.

Es gibt 20 Kapitel aus der Rubrik Styleguide: Klassiker wie die weiße Bluse und das weiße T-Shirt, Jeans, Jeansjacke und Trenchcoat und natürlich das kleine Schwarze sind dabei, aber auch der Tüllrock, ein roter BH und das Barett. Ein Styleguide-Kapitel ist den Augenbrauen gewidmet und ich staune, was es dazu alles zu sagen gibt. Ich selbst hab meinen Augenbrauen in den vergangenen nun fast 60 Jahren noch nie Beachtung geschenkt. Noch nie gezupft, angemalt oder mit Rizinusöl behandelt… Wie gut, dass – laut der Autorin – der natürliche Schwung der Augenbraue meistens auch am besten zur Gesichtsform passt. Dann ist ja alles ok. ;-) Es gibt darüber hinaus noch weitere Styleguides wie Glitzerschuhe, Sonnenbrille oder Sneakers und einige mehr. Außerdem viele praktische Tipps und Kombinationsvorschläge.

Der wahre Schatz des Buches

Zwischen diesen einzelnen Kapiteln eingestreut sind 11 Portraits – und sie sind der wirkliche Schatz dieses Buches. Sie machen es besonders. Denn jedes dieser Portraits zeigt, was dieses Buch sagen will: Jede Frau ist schön. Jeder Stil hat seine Berechtigung. Schön ist, was der Trägerin gefällt. Und je wohler sie sich in ihrem Look fühlt, desto schöner wird sie selbst. 11 Frauen zeigen sich, fotografisch wunderbar in Szene gesetzt von Martina Klein. Sie erzählen von sich, von ihren Lieblingsklamotten, von so genannten Key Pieces, sie berichten aus ihrem Leben, erzählen, was Ihnen Trends und Mode bedeuten. Diese Portraits sind motivierende Texte über inspirierende Frauen.

Schön zu sehen, dass auch das Thema Nachhaltigkeit – wichtig! – seinen Platz in diesem Buch hat und mode- und stilbewussten Frauen wichtig ist. Ein schöner Satz in diesem Zusammenhang: „Das nachhaltigste Kleidungsstück ist das, das man schon besitzt.“ Oder: „Brauchen wir wirklich immer häufiger von allem mehr?“

Nein, brauchen wir nicht. Und auch Mode ist völlig überflüssig. Wir brauchen nur unseren jeweils eigenen Stil. Und wenn man ganz genau hinsieht, hat den jede von uns. Dabei spielt es gar keine Rolle, WAS konkret man trägt. Viel wichtiger ist in diesem Zusammenhang das WIE und vor allem das WER.

So. Und jetzt räume ich meinen Kleiderschrank auf und schau mal, ob ich eine weiße Bluse finde, die nicht spannt. Außerdem suche ich meine bunte Schirmmütze, die ich früher so gerne getragen habe. Seit sicher 20 Jahren nicht mehr. Bin zu alt dafür. Dachte ich. Aber hey, seitdem ich die „Die beste Zeit für guten Stil“ gelesen habe, sehe ich das komplett anders.

Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass ICH tatsächlich ein ganzes Buch über Mode von vorne bis hinten durchlese, und dass es mir sogar gefällt. Aber ich hätte ja auch niemals gedacht, dass eine GRÜNE Bundeskanzlerin werden könnte. In diesem Sinne – die Zeit der immergleichen Blazer ist vorbei. #allesistdrin

Susanne Ackstaller, Martina Klein, Veronika Gruhl

Die beste Zeit für guten Stil
Fashion for Women. Not Girls.
25,00 €

16.0 x 23.2 cm,

Flexicover mit Klappen, 176 Seiten

ISBN 978-3-95728-444-0

Erhältlich überall und hier im Knesebeck Verlag

 

 

*Ich wurde zu diesem Beitrag weder aufgefordert, noch hat mich jemand dafür bezahlt. Dennoch bin ich verpflichtet, ihn als Werbung zu kennzeichnen.

5 Kommentare
  1. Anne sagte:

    Da Sie anfänglich mitteilen, dass Sie mit Mode nichts anfangen können, verstehe ich Ihre Rezension!

  2. Martina Klein sagte:

    Liebe Biggi,
    ich bin schlicht sprachlos und sehr berührt von den Worten, die zu „Die beste Zeit für guten Stil“ gefunden hast. Darum sage ich einfach nur DANKE!

    Liebe Grüße
    Martina

  3. Susi sagte:

    Liebe Biggi,

    was soll ich sagen: DANKE DANKE DANKE für diese schönen Zeilen! Ich bin sehr gerührt, wirklich. Und da ich weiß, dass sie ehrlich sind, freut es mich umso mehr!

    Ganz liebe Grüße!

    Susi.

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