Buchtipp: Dornröschen, wir müssen reden!*

Eigentlich müsste ich diesen Satz zu meiner Ideenschmiede im Kopf sagen: „Hey du, wir müssen reden! Warum zum Kuckuck hatte Nina Bodenlosz diese großartige Idee, die ich doch gerne gehabt hätte? Denn genau das hab ich ehrlich gedacht, als ich diesen Titel „Dornröschen, wir müssen reden!“ hörte und vor allem diesen Untertitel zum ersten Mal las: „Märchen, die sich neu erfunden haben.“ Ich war schon begeistert von diesem Buch und hatte doch noch keine einzige Zeile gelesen. Was muss das für einen Spaß gemacht haben, altbekannte, und auch leicht verstaubte Märchen umzuschreiben und sie mit einer neuen Botschaft zu versehen.

Getan hat dies Nina Bodenlosz, wenn sie auch auf dem Klappentext behauptet, sie habe die 14 Märchen mit neuem Inhalt einfach so vorgefunden. Heißt es doch da:

„Nina Bodenlosz schlägt ihr altes Märchenbuch auf und stellt fest: Nichts ist mehr so, wie es gewesen ist. Hier ist der Beweis: 14 Märchen, die sich neu erfunden haben. Die Frau auf dem Turm wartet vergeblich auf Rettung, Prinzessinnen wollen ohne Mann regieren oder lieber mit einem Krimi ins Bett, Rumpelstilzchen liebt die Müllerstochter und Falada, das sprechende Pferd, kann einfach das Maul nicht halten.“

Dieses Märchen kann sie gerne ihrer Großmutter erzählen, ich bin sicher, dass diese Nina Bodenlosz diese Geschichten höchstpersönlich umgeschrieben hat. Ist schließlich nicht das erste Mal, dass sie schreibend in Erscheinung tritt.

Alte Geschichten voller Gegenwart

Dornröschen, Rapunzel oder Rumpelstilzchen und 10 weitere bekannte Märchen (wer jetzt denkt, ich kann nicht bis 14 zählen: Dornröschen kommt zweimal vor)  – die Autorin erzählt all diese Märchenklassiker neu und mit wunderbar selbstbewusstem, weiblichem Humor. Rapunzel ist mit grauen Haaren eindeutig Ü50 und durchaus in der Lage, sich selbst zu befreien. Rumpelstilzchen ist verknallt, Prinzessinnen sind alles andere als zarte, gekrönte Zauberwesen. Und König Drosselbart lernt, dass Frauen lieber bescheiden für sich selbst sorgen, als mit einem zwar stinkreichen, aber selbstherrlichen und selbstverliebten Despoten zusammenzuleben.

Aber es steckt noch mehr Neues in den alten Märchen als „nur“ die Emanzipation, wenn sie auch einen großen Raum einnimmt. Die Autorin trägt weitere Themen der Gegenwart in diese Geschichten aus unseren Kindertagen: Fakenews, Korruption oder das Gehabe von so manch narzistischem Herrscher unserer Tage – die Gegenwart ist präsent in diesen umgeschriebenen alten Geschichten, die in moderner Sprache sowieso gar nicht mehr altmodisch daherkommen.

Dezente, unaufdringliche, aber dennoch eindringliche Illustrationen, gezeichnet von Katarina Pollner, adeln die Texte und geben ihnen zusätzliche Ausdruckskraft. Die einzelnen Geschichten haben Vorlese- oder Bettlektürenlänge. Aber Achtung: Man kann trotzdem nicht nach einer Geschichte aufhören. Mir zumindest ist es so gegangen – ich wollte unbedingt wissen, was mich denn beim nächsten Märchen erwarten würde. Und so liest man sich Märchen für Märchen durch diese Texte und ehe man sich versieht, hat man ein ganzes Märchenbuch gelesen. Denn ja – genau das ist dieses Buch: ein Märchenbuch. Geschichten von früher sind jetzt Märchen von heute. Nina Bodenlosz hat es geschafft, so viele Jahrzehnte, ja Jahrhunderte nach Grimm, Andersen oder Bechstein, deren alte Märchen neu zu erzählen und uns damit zu zeigen: Es gibt immer einen Weg, mit seinem Leben das zu tun, was man möchte. Und sei es auch nur von morgens bis abends Netflix zu schauen. Das Bodenlosz’sche Dornröschen hat es vorgemacht.

Geschenktipp!

Wer noch für die ein oder andere Freundin eine Geschenkidee sucht, der oder die hat sie mit „Dornröschen, wir müssen reden!“ gefunden. Ein ideales Buchgeschenk. Aber Achtung: Selfpublishing. Das Buch ist erschienen bei tredition – wer es bestellt, muss mit ein paar Tagen Lieferzeit rechnen. Also am besten JETZT SOFORT bestellen, wenn man es Weihnachten verschenken will.

Und noch ein Tipp: Das Buch ist erhältlich als eBook, Paperback oder Hardcover. Aber hey – es ist ein Märchenbuch. Ein solches Buch braucht ein festes Cover und vor allem ein Lesebändchen. Ich würde ein solches Buch immer in einer Hardcover-Version verschenken. Macht mehr her und passt einfach besser.

„Dornröschen, wir müssen reden!“ von Nina Bodenlosz ist im tredition Verlag oder alternativ unter der ISBN 978-3-7469-6537-6 überall im Buchhandel erhältlich.

*Werbung aus Überzeugung. Ich wurde für diese Rezension nicht bezahlt.

 

 

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