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Das Netzwerk fing uns auf

Worte können treffen, schlagen, berühren. Hier schreibe ich über Worte, die mich bis ins Mark positiv elektrisiert haben. Worte, die einfach wahr sind.

Kraft meines Amtes als für die Registrierung neuer Anmeldungen im Texttreff zuständigen Textine und Kraft meiner “sozialen Autorität” als Gründungsmitglied dieses wirklich wunderbarsten Netzwerkes der Welt erkläre ich die mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht namentlich bekannte Autorin dieser Glosse im Glossenwettbewerb des Texttreffs hiermit feierlich zum Ehrenmitglied des Texttreffs.

Ein großartiger Text. Vor allem deshalb, weil – wenn man das alles mal reduziert und sämtliche Stretchlimousinen und Promis wegdenkt, dann bleibt: eine Liebeserklärung an meine Texterheimat. Ohne den Texttreff wäre ich nicht, wo ich bin, was ich bin. Und ohne den Texttreff würde ich mich nicht so sicher und geborgen fühlen in diesem großen von mir so geschätzten world wide web. Und ja – auch nicht in diesem Leben. Es kann niemand verstehen oder gar nachvollziehen, der nicht Textine ist. Aber ich bin einfach sicher: Was auch geschieht in meinem Leben – das Netzwerk fängt mich auf.

 

 

Der Texttreff und sein Weblog

Den Texttreff gibt es seit vielen Jahren, ein geschlossenes Netzwerk für wortstarke Frauen und by the way das mit ganz ganz großem Abstand beste Netzwerk, das ich kenne. Ebenfalls schon lange gibt es das öffentliche Weblog des Texttreffs. Aber erst seit kurzem ist es zum Leben erwacht.

Obwohl ich natürlich weiß, was wir für tolle Frauen im Texttreff haben, wie viele engagierte und äußerst kompetente Frauen sich dort tummeln, bin ich doch aktuell schwer begeistert über unser Blog und die Beiträge, die dort erscheinen. Eine engagierte Textinengruppe hat nämlich vor einiger Zeit beschlossen, dass man dieses Blog doch endlich mal regelmäßig aktualisieren und zur Außendarstellung des Texttreffs nutzen sollte. Seitdem erscheinen dort regelmäßig Beiträge über Textinen-Projekte, Veranstaltungen, Buchbesprechungen und vieles mehr.

Es macht mir große Freude, mein Wissen um diese vielen Kompetenzen und spannenden Fachfrauen dort gebloggt zu sehen. Und ich glaube, das Blog ist auch einen Bookmark wert für alle jene, die hin und wieder mal professionelle Hilfe im Textbereich brauchen. Etwa eine Übersetzerin, eine Lektorin, eine Korrektorin, eine Journalistin, eine Ghostwriterin, eine Texterin, eine Kinderbuchautorin, eine Songschreiberin, eine Drehbuchautorin, und und und. Im Texttreff sind sie alle. Und das reanimierte TT-Blog stellt viele von ihnen vor.

Wendland!

So schnell geht ein Jahr vorbei – ich staune. Auf jeden Fall stehen meine jährlichen vier Tage Wendland an. Morgen früh fahre ich los, um ca. 50 Kolleginnen aus dem Texttreff aus allen möglichen schreibenden und sprechenden Berufen zu treffen. Um zu lernen, Wissen weiter zu geben, lecker zu essen und zu trinken und um ganz entspannt viel Spaß zu haben und zu reden, bis die Zunge Knoten hat.

Vier Tage Workshop-Wochenende im Wendland. Mein persönliches berufliches Highlight im Jahr. In der Proitzer Mühle, ein Ort, an dem Handyempfang und WLan Glückssache sind. Wer mich erreichen will, kann es versuchen, aber sollte keine Antwort erwarten. Denn selbst mit Empfang und Netz – ich glaub nicht, dass ich Lust haben und Zeit finden werde, um zu antworten. Zumindest nicht vor Montag. Dann antworte ich bestimmt. Es sei denn, es brennt lichterloh. Dann bin ich natürlich da, wenn ich von diesem wunderbaren Fleckchen Erde aus helfen kann.

Richtige Entscheidung

Die Webgrrls waren mein allererstes Netzwerk. Als ich Ende der 90er Jahre dort eintrat, wusste ich noch gar nicht, was Netzwerken ist. Dort habe ich es von der Pike auf gelernt. In den ersten Jahren war das für mich beeindruckend. Damals waren es viele viele tausend Frauen (ich glaub roundabout 11.000 – ohne Gewähr…), die sich austauschten, gegenseitig halfen und unterstützten. Ein bunt gemischter Haufen. Ich habe viel gelernt, mein Geschäft in der Zeit auch Hilfe der Grrls richtig ans Laufen gebracht. Hab viel gegeben, mich engagiert, wo ich konnte und ich hab auch viel bekommen.

Dann wollte man das Netzwerk professionalisieren, wollte den Fokus deutlicher auf Internet und Web-Working legen. Man machte aus dem Netzwerk Webgrrls den Verein webgrrls e.V. Mit Jahresbeitrag, Vorstand, Satzung und allem Pipapo. In der Folge wurde erst mal zwei Jahre lang über Satzungen und ihre Paragraphen diskutiert. Da blieb natürlich nur noch wenig Zeit zum Netzwerken.

Dazu kam – das Netzwerk schrumpfte auf einige hundert Mitgliedsfrauen. Es war einfach nicht mehr viel los. Ich bin nicht der Meinung, dass es viele 1000 Frauen braucht, um ein lebendiges Netzwerk zu gestalten, ich bin auch für Klasse statt Masse. Aber man muss der Klasse auch Gelegenheit zum Austausch geben. Aber man hielt bei aller Veränderung am alten Prinzip der ZF fest.

ZF = Zusammenfassung. Dahinter verbirgt sich das Webgrrls-Prinzip: eine Frau mailt eine Frage in die Mailingliste an alle Frauen. Geantwortet wird aber nicht in die Liste, sondern an die Fragende privat, die dann zum Dank eine Zusammenfassung aller Antworten macht und wieder in die Liste schickt. Das war ein richtig gutes Prinzip. Damals. Als noch zehntausend und mehr Frauen dabei waren. Anders wäre es auch gar nicht gegangen. Aber bei ein paar hundert Frauen ist ein solches Prinzip schlicht falsch. Und so kam es, dass sich Mails häuften: Es tut mir leid, keine ZF,weil ich keine Antworten bekommen habe. Ich hätte ja die Listen geöffnet und das ZF-Prinzip abgeschafft. Und ich bin sicher, ich bin nicht die einzige… Das hätte wieder Leben in die Bude gebracht.

Dazu kommt der Umstand, dass seit einer gefühlten Ewigkeit an einer neuen Website gearbeitet wird, mit der alles besser werden sollte. Seit zwei Jahren? Oder länger? Keine Ahnung. Auf jeden Fall haarsträubend lange. Erst recht vor dem Hintergrund, dass dieses Portal nicht nur ehrenamtlich entsteht, sondern für richtig VIEL Geld über den Tisch geht.

Nicht nur, weil ich sehe, wie es im Texttreff läuft, wie anders, wie lebendig, wie hilfreich in allen Lebenslagen dort agiert wird und in welcher Zeit und Qualität das Texttreff-Portal von Carola und Oliver Heine gebaut worden ist. Nahezu ehrenamtlich übrigens… nicht nur deshalb hab ich schon länger meine Zweifel an der Zukunft der Webgrrls.

Ich hab schon letztes Jahr darüber nachgedacht, das Netzwerk zu verlassen. Aber ich hatte den Kündigungstermin verpasst und so blieb ich ein weiteres Jahr. Wenn auch Wehmut mitschwang – schließlich sind die Webgrrls für mich quasi die Mutter aller Netzwerke, ohne die Grrls wäre ich heute nicht da, wo ich bin – aber ich fühlte mich dort einfach nicht mehr Zuhause. Also legte ich mir Anfang 2007 die Kündigung auf Wiedervorlage, um nicht wieder den Termin zu verpassen.

Immer noch aber hoffte ich, dass sich im Laufe des Jahres etwas ändern würde. Was leider nicht geschah. Wahlbeteiligungen von unter zehn Prozent. Diskussionen? Fehlanzeige. Lebendiges Listenleben? Nö. Und immer noch keine neue Website. Ich kündigte.

An meinem letzten Arbeitstag in diesem Jahr schickte ich diese Mail in die Liste:

Liebe Webgrrls,

ich möchte mich verabschieden – zum Jahresende verlasse ich das Netzwerk.

Ein wenig mit einem weinenden Auge, denn ich bin schon seit vielen vielen Jahren dabei, lange bevor die Grrls ein e.V. wurden. Bei den Webgrrls hab ich das Netzwerken gelernt, hab viel gegeben, aber auch sehr sehr viel bekommen und viele gute und fruchtbare Beziehungen sind für mich hier entstanden.

Aber jetzt bin ich an einem Punkt, wo ich mich hier nicht mehr Zuhause fühle. Die meisten Mails betreffen mich nicht, ich kann wenig bis nichts beitragen. Außerdem fehlt mir vor allem die Lebendigkeit… Und deshalb hab ich für mich nun die Konsequenzen gezogen.

Das Netz hat viele Orte der Begegnung – so bin ich sicher, wir treffen und lesen uns an der ein oder anderen Stelle wieder. Vielleicht ja auch im real life. Ich würde mich freuen!

Ich wünsch euch allen alles Gute und natürlich frohe Weihnachten und ein gesundes, erfolgreiches Jahr 2008!

Herzliche Grüße und vielen Dank für alles!

Biggi Mestmäcker

Ich habe auf diese Mail keine – in Worten: KEINE – Reaktion erhalten. Das hat mir gleichermaßen weh getan wie mich bestätigt. Weh getan deshalb, weil ich eigentlich dachte, es berührt jemanden dort, wenn ich gehe. Nicht, weil ich so toll oder so wichtig bin. Nein. Sicher nicht. Aber immerhin bin ich dort seit 1999 aktiv dabei gewesen und hab mich richtig verbunden gefühlt. Und nun sagt nicht eine einzige dieser Frauen tschüss? Das gibt schon zu denken und ja, das tut auch weh und kratzt am Ego. Andererseits aber zeigt es mir sehr deutlich: Das war die richtige Entscheidung. Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht, ich gehöre dort einfach nicht mehr hin. Und ein Vereinsmeier war ich sowieso noch nie.

 

 

Texttreff

Und dem ist nichts hinzuzufügen. Wirklich gar nichts.