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Ehrenamt lohnt sich

Vor vielen Monaten sprach mich einer unserer beiden Pfarrer unserer Kirchengemeinde an, der gleichzeitig auch ein guter Bekannter ist: Biggi, wir könnten Hilfe im Öffentlichkeitsausschuss gebrauchen, hast du nicht Lust, mitzuarbeiten? Ich hörte mich sagen: Hm, ja, warum nicht. Aber eigentlich bin ich ja eher Onlinerin, also meine Kernkompetenz sind Websites und das Online-Marketing. Oh, sagte er, das trifft sich gut. Wir arbeiten auch gerade an unserer neuen Website und brauchen Hilfe bei den Texten. Darf ich dich zur nächsten Sitzung diesbezüglich einladen? Tja, und so war es passiert.

Der Termin der ersten Sitzung kam und ich ging hin. Mein späterer Web-Sparringspartner, der überaus fitte Webadmin der Kirchengemeinde war nicht anwesend, dafür aber einige sehr nette, sehr engagierte Ehrenamtler und Presbyter und der Pfarrer. Sie sprachen von der neuen Website, von ihren Vorbereitungen, aber ich merkte schnell, sie brauchten wirklich Hilfe. Von Navigationsstrukturen verstanden sie nicht viel, Usability war auch das, was es ist: ein Fremdwort.

Erfreulicherweise war mein späterer Mitstreiter, der Webadmin ein Open Source Anhänger und favorisierte mit mir das CMS Joomla. Er hatte Joomla Beez schon vorher mal zu Testzwecken auf dem Kirchenserver installiert und ich war sehr froh, dass damit keine weitere Diskussion über die Wahl des richtigen Content Management Systems mehr nötig war. Joomla kannte ich und damit kannte ich mich sogar ein bisschen aus. Ich erklärte mich bereit, die Inhalte zu strukturieren, die Struktur anzulegen und die Inhalte einzupflegen. Meine Hauptaufgabe sollte zu dem Zeitpunkt aber noch die Überarbeitung der Texte sein. Schließlich bin ich ja die Texterin.

Dann kamen die Inhalte. TONNEN von Texten. Berge von Kapiteln. Schnell war klar – das Texten war absolut zweitrangig. Ich hatte zwar schon unzählige Male im Kundenauftrag Joomla bedient und auch durch meine enge Zusammenarbeit mit Angie Radtke eine Menge über Joomla gelernt, aber ich habe noch nie eine Website selbst aufgesetzt und auch der Umfang dieses Projektes übertraf alles, was ich je zuvor gemacht habe.

Tapfer machte ich mich ans Werk. Abends. Nachts. An Wochenenden. Ehrenamt. Und das heißt: Paying customers first. Schlafen kann man auch noch im Rentenalter. ;-) Im Ernst – das war zeitlich und vor allem auch im Hinblick auf die Strukturierung der Inhalte und die Technik eine riesige Herausforderung, zwischenzeitlich hab ich mich selbst verflucht für meine Zusagen, aber dann wieder war ich so froh und stolz, dass ich das endlich begriffen hatte mit den Modulen bei Joomla, hatte endlich gelernt, nicht in Seiten, sondern in sections und categories zu denken, dass es mir richtig Freude machte, zwar übernächtigt, aber zufrieden an diesem Projekt zu arbeiten.

Daniel (=Webadmin) und ich verstanden uns gut, ergänzten uns gut. Es war eine tolle Zusammenarbeit. Wir versuchten uns eine Nacht lang als Designer und scheiterten derart kläglich, dass sich Angie Radtke kurz darauf erbarmte und mal kurz das Beez Standardtemplate nach unseren Bedürfnissen anpasste. Endlich konnte sich die Seite auch optisch sehen lassen. Wir waren so froh und sind Angie echt dankbar.

Auch dem Texttreff danke ich einmal mehr für seine Unterstützung, insbesondere meiner Kollegin Petra Busch, die sich die Mühe gemacht hat, sich die ganze große Seite anzugucken und mich aus meiner Betriebsblindheit herauszuholen. Zusammen mit einem der Presbyter, der sich sehr konstruktiv engagiert hat, hat sie den entscheidenden Anstoß für den letzten strukturellen Schliff vor dem Going Online gegeben. Und dann noch ein Danke schön an Ulla, die Vorsitzende des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit. Auch mit ihr habe ich prima zusammengearbeitet und ich habe wohl gemerkt, dass sie die ganze Zeit bemüht war, mit diplomatischem Geschick möglichst meine Zufriedenheit zu erhalten. ;-) Ach ja – und danke an Robert, für seine Hilfe bei der Implementierung der von ihm programmierten Kommentarfunktion.

Nach vielen Höhen, ein paar genervten Tiefen und einigem heftigen Aufbäumen gegen den “Keine-Lust-mehr-Teufel” und nach vielen 100 Stunden haben wir es geschafft. Die Website ist seit letztem Samstag online.

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Die Texte sind insgesamt kaum überarbeitet, bestenfalls ein wenig geschliffen, sie genügen keinesfalls meinen professionellen Ansprüchen, das ist mir wichtig zu sagen. Aber insgesamt bin ich stolz auf dieses Projekt. Ich habe jenseits der Texterei soviel autodidaktisch gelernt über die Administration von Joomla, wie schon lange nicht mehr. Ich habe seither auch für meine tägliche bezahlte Arbeit schon mehrfach deutlich davon profitiert. Und meine Kunden damit auch. Es stimmt der Spruch: Der eigentliche Lohn für ehrenamtliche Arbeit besteht darin, dass man sie tut. Harald Ulland, unser Pfarrer sagte dazu: “Du hast die Gelegenheit ergriffen und uns bzw. der Sache Jesu, um die es geht, sehr geholfen. Es ist ein missionarisches Projekt, christliche Präsenz in der virtuellen Welt zu kreieren. Also: ganz herzlichen Dank!!”

Nun ja, wenn ich ehrlich bin, habe ich über christliche Präsenz gar nicht so nachgedacht bei der Arbeit. Aber es ist ein charmanter Gedanke. Als Missionar hab ich mich noch nie gesehen. :-)

Wie bei all meinen Kundenprojekten möchte ich die Tradition auch in diesem Fall wahren, dieses Projekt hier vorstellen und ihm einen Link spendieren: Wer also mal gucken möchte – frisch getextet gebaut: www.kgm-waldniel.de

Ich werde diese Seite weiter betreuen und möglichst zeitnah aktualisieren. Einiges ist immer noch zu tun, zu verbessern. Aber nachdem der große Berg abgetragen ist, ist die Situation entspannt und mir macht das bis jetzt richtig Freude. Und ich hoffe jetzt nur noch, dass diese Website wirklich zu einer für unsere Gemeinde wichtigen “christlichen Präsenz in der virtuellen Welt” werden wird. Dafür aber müssen jetzt erst mal die sorgen, die sie besuchen.

Evangelisch – genau richtig

Manchmal fragt man mich: Sag mal, warum bist du denn eigentlich vor Jahren konvertiert und von den Katholiken zur evangelischen Kirche gewechselt?

Manchmal sage ich dann, wie doof ich den Papst finde, wie sehr mich das Frauenbild der katholischen Kirche stört und dieser ganze Zölibatsquatsch.

Manchmal – wenn mehr Zeit ist – hole ich auch weiter aus und steige tiefer in meinen Glauben ein, der in der katholischen Kirche zwischen all den Marienaltären, Fronleichnamsprozessionen und Weihrauchschwenkereien zu ersticken drohte.

Manchmal – wenn ich es mir einfach machen will – sage ich: Weil mein Schwager evangelischer Pfarrer ist. Oder manchmal auch: Ich wollte die gleiche Religion wie meine Kinder und mein Mann.

In Zukunft kann ich sagen: Ich bin Webworkerin, verdiene mein Geld im und mit dem Internet, bin Bloggerin und hab auch nen Twitteraccount. Das Netz ist Teil unseres Lebens und ich bin froh, einer Kirche anzugehören, die das erkannt hat. Sie bloggt, sie twittert, sie macht spannende Aktionen.

Und sie hat Humor.

via: Indiskretion Ehrensache