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Schreiben für Sprecher*innen

Als mein Kunde mich beauftragte, den Text für einen kleinen Film über seine Praxis zu schreiben, mit dem er neue Mitarbeiter*innen suchen möchte, habe ich mich gefreut. Ich mag es, Konzepte zu entwickeln und auf den Punkt genau zu formulieren. Und nirgendwo sonst kommt es so sehr auf den Punkt an, wie bei einem Sprecher*innen-Text für einen Filmbeitrag.

Als erstes stellt sich vielleicht die Frage nach dem Huhn und dem Ei – bzw. was kommt zuerst – Film oder Text? Ich bin der Meinung, dass das Hand in Hand gehen muss, dass aber in diesem Fall der Text den Film bestimmt. Das heißt, man kann das Video nicht ohne den Text konzipieren. Und so sind wir bei der Produktion folgendermaßen vorgegangen:

Zeichenzahl ermitteln

Vorgabe war eine Videolänge von ca. 1:15, also eine Minute und 15 Sekunden.  Ich habe als ungefähre Textmenge ermittelt:

1 Minute = 900 Zeichen inklusive Leerzeichen (entspricht etwa 100 – 140 Wörtern)

Plus 15 Sekunden = ca. 225 Zeichen

Summe: ca. 1125 Zeichen maximal

So hatte ich also die Zeichenzahl, die in etwa zur Verfügung stand. Insgesamt sollte man den Text immer knapp bemessen, damit der Mensch, der sich das Video ansieht, nicht nur hört, sondern auch noch Zeit zum Gucken hat.

Informationen sammeln und sortieren

Im nächsten Schritt schrieb ich auf, welche Informationen inhaltlich transportiert werden mussten. Ich listete die Stationen im Film auf. Und ich schrieb auf, auf welche Bereiche seiner Praxis und auf welche Begrifflichkeiten der Auftraggeber erklärtermaßen besonderen Wert legte. Diese Erfordernisse packte ich zusammen in ein grobes Inhaltskonzept und eine Reihenfolge der Stationen im Film.

Als nächstes entstand eine Art Mini-Drehbuch, in dem ich die Inhalte den einzelnen Filmabschnitten zuordnete. Ich teilte die Abschnitte auch in zeitliche Bereiche und ermittelte so die ungefähre Zeichenzahl pro Abschnitt.

Texten

Ich textete nun zunächst so, dass alle notwendigen Inhalte zur Sprache kamen und in etwa an der richtigen Stelle Erwähnung fanden. Ich tat dies von Anfang in dem Bewusstsein, dass in einem solchen Film kein Platz ist für Füllwörter, dass lange Schachtelsätze nie besonders schön, selten verständlich und im Film auf jeden Fall unangebracht sind. Nachdem ich die erste Textfassung fertig hatte, ging’s ans Sprechen. Ich las meinen Text abschnittsweise mit der Stopp-Uhr, um zu erfahren, was ich ohnehin schon wusste – er war natürlich noch zu lang.

Text überarbeiten

Der Videoproduzent passte den provisorischen Text seinem provisorischen Film an und schickte mir das Filmmaterial erneut, dieses Mal mit improvisiert eingesprochenem Text. Nun konnte ich am Text feilen und ihn dabei noch präziser ans Bild anpassen. Dazu gehörten auch Hinweise, wo welcher Text nicht gesprochen, sondern eingeblendet werden soll. Und ich kürzte und vereinfachte weiter. Denn Fremdwörter, Fachbegriffe und allzu lange Wortzusammensetzungen machen einen gesprochenen Text schlecht verständlich.

Den allerletzten Schliff hat der Text dann am Schluss durch die professionelle Sprecherin erhalten, die eben genau weiß, wann man wie wo betonen oder Pausen machen muss. Insgesamt entstanden ist „einfach ein kleiner Film“ mit der Botschaft: Wir suchen weitere Mitarbeiter*innen: MFA, kaufmännische Angestellte sowie Ärzte und Ärztinnen. Ein Film, dem man nicht anmerkt, dass ne ganze Menge Arbeit darin steckt.