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Rezension: Das Lächeln des Bösen

Busch_neu1-197x300Ich bin dem Verlag Drömer Knaur noch eine Rezension schuldig, denn sie hatten mir ein Rezensionsexemplar geschickt. Gelesen habe ich ‚Das Lächeln des Bösen‘ von Petra Busch, das bereits im März 2015 neu erschienen ist.

Nina Bach, 28, chaotischer Freigeist und von ihrer Familie verstoßen, ist schockiert: Ihre ältere Schwester Frauke, eine erfolgreiche Chirurgin, hat sich das Leben genommen – und sich vor dem Suizid offenbar selbst die Haut des Unterarms abgezogen. Nina hat Frauke gehasst. Doch Selbstmord hält sie für ausgeschlossen und beginnt nachzuforschen. Der zuständige Rechtsmediziner Emil Koswig will ihr nicht helfen. Bis Nina entdeckt, dass auch Koswigs Ehefrau sich selbst getötet und davor ein Auge herausgerissen hat. Gemeinsam suchen sie nach dem Hintergrund für die entsetzlichen Taten, und Nina verliebt sich dabei in den charmanten Arzt. Als die dritte Selbstmörderin auf seinem Obduktionstisch liegt, begreift Nina, dass sie Nummer vier sein soll. Doch nicht einmal Koswig glaubt ihr …

So der Wortlaut des Textes, mit dem der Verlag das Buch vorstellt. Doch darin steckt eine Irreführung. Denn Emil Koswig ist.nicht.charmant. Für mich war er von der ersten Zeile an ein arroganter Eigenbrötler. So.

Andere Rezensenten haben bemängelt, dass es sich hier nicht – wie auf dem Cover angegeben – um einen Psychothriller handele. Ja was soll das denn sonst sein? Es ist auf jeden Fall in Abgrenzung zu einem normalen Krimi ein Thriller mit ganz vielen Psychos in den Hauptrollen. Ehrlich gesagt, habe ich noch selten ein Buch mit so geballt vielen extrem Durchgeknallten gelesen. Da dieses Buch von Petra Busch geschrieben wurde, kann man sicher sein, dass jeder einzelne Typ zu einem spannenden Charakter wird, den wir bis in seine tiefsten seelischen Abgründe intensiv kennenlernen dürfen.

Die kurzen Kapitel und ein regelmäßiger Perspektivenwechsel – es gibt drei verschiedene Perspektiven im Buch – machen die Lektüre zu einer kurzweiligen Angelegenheit. Wenn man sich entführen ließ in die bemerkenswerte Phantasiewelt der Autorin, dann glitt man auf dem Spannungsbogen förmlich dahin und las einfach immer weiter. Weil die Kapitel ja kurz sind, hörte ich mich mehr als einmal sagen: Ach komm, noch eines… Wenn ich nicht mit dem Lesen aufhören kann oder will, dann ist ein Buch für mich spannend. Und das war hier definitiv der Fall. Wenn dann auch noch das Kopfkino ansprang, dann war es sogar stellenweise atemberaubend spannend. Und blutig. Und eklig.

Ich stelle dennoch fest, dass ich lieber Thriller oder Krimi als Psycho mag. Zumindest dann, wenn die Beweggründe für Handlungen zu weit weg von meiner Normalität liegen. Denn alle Protagonisten in diesem Buch hatten dermaßen einen Knall, dass ich zu oft dachte: das gibt’s doch gar nicht. Richtig bedrohlich und megaspannend wird es für mich aber erst dann, wenn ich mir die Situation persönlich vorstellen, mich in sie hinein versetzen kann.

Der einzig wirklich normale Charakter war im Grunde der ermittelnde Kommissar. So normal, dass er vollkommen blass blieb. Wobei – eigentlich war er auch nicht normal, denn so beschränkt, wie er dargestellt wurde, kann ich mir eigentlich keinen Kriminalbeamten vorstellen. ;-)

Gut gefallen haben mir die zahlreichen Rückblenden und die kursiv gesetzten Texte, von denen lange nicht klar war, wessen Gedanken das sind. Und dann natürlich Petra Buschs Spezialität: ihre höchstpräzise Beschreibung von Details und ihr virtuoser Umgang mit Sprache. Genau das war in diesem Buch das Antriebsmittel fürs Kopfkino, manchmal bestimmt nix für allzu sensible Leser. Das ging stellenweise im wahrsten Wortsinn schon gehörig ins Fleisch, wenn sie ansetzte, einzelne Arbeitsschritte in der Rechtsmedizin zu beschreiben …

‚Das Lächeln des Bösen‘ hat mich das ein oder andere Mal auf die falsche Fährte geführt und bis zum Schluss gut unterhalten. Dieser Stand-alone-Roman außerhalb der bisherigen Reihe der Autorin war ein kurzweiliges und spannendes Lesevergnügen. Aber ehrlich gesagt – als Busch-Fan der ersten Stunde wünsch ich mir fürs nächste Buch Moritz Ehrlinspiel zurück.

Petra Busch: Das Lächeln des Bösen, München 2015, Knaur Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-426-51548-8, Softcover, 448 Seiten, Format: 12,6 x 3 x 19 cm, Buch: EUR 9,99, Kindle Edition: EUR 9,99.

Schweig still, mein Kind

Dies ist keine Rezension, die ich schreibe, weil ich ein Rezensionsexemplar bekommen hatte. Nein, ich hab dieses Buch gekauft. Dieses Posting ist also keine Gegenleistung: Besprechung gegen Buch, sondern es ist ein Muss. Ich muss der Welt einfach von diesem Buch erzählen.

Nach vielen Monaten der Wartezeit – hatte vorbestellt – ist es pünktlich zu meinem Geburtstag am 10.09. bei mir aufgeschlagen. Ich war ja sooo gespannt und hätte am liebsten gleich mit dem Lesen begonnen. Aber ich musste ja `leider` erst mal Geburtstag feiern. Aber dann…

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Klar, wenn du ein Buch liest, das eine liebe Bekannte und Kollegin geschrieben hat, über das du schon so viel gesprochen hast im Vorfeld, dann bist du besonders gespannt. Aber es ist mir wichtig zu sagen, dass ich trotzdem als oller Krimifan völlig unvoreingenommen an dieses Buch gegangen bin. Ich hab schon sooo viele Krimis gelesen, viele waren gut, wenige haben mich überrascht. Und ich hab – ehrlich gesagt – schon vorher gedacht, dass dies ein gutes Buch wird, aber dass es mich vermutlich nicht überraschen wird. Eben, weil ich schon so viele kenne.

Ich hatte mich geirrt. Schon nach wenigen Seiten gab es die erste Überraschung. Also für mich.

Dann bin ich so eine, die “schöne Sprache”, intensive Beschreibungen immer überliest, oft sogar vorblättert, bis es endlich weitergeht. Das geht bei diesem Buch gar nicht. Die Sprache ist immer schön, die Beschreibungen immer intensiv, aber man kann sie nicht überblättern, sie sorgen dafür, dass es weitergeht.

Und dann: Dass Petra Busch intensiv recherchiert hatte, das wusste ich bereits. Aber wie sehr solche Recherche einem Buch gut tut, das weiß ich erst jetzt.

Kurz vor Schluss war es dann so weit – ich war enttäuscht. Ich dachte, das kann doch nicht sein, dass sie es so enden lässt. Das glaub ich einfach nicht. Ich dachte, ihr sei quasi beim Schreiben die Luft ausgegangen. Aber ich konnte es mir trotzdem nicht vorstellen, dass sie genau diesen Protagonisten zum Mörder werden ließ. Aber es sah alles danach aus. Viele quälende Seiten lang. Und dann wurde es doch wieder das gute Buch. Bzw. es war es die ganze Zeit. Ich war diejenige, die an dieser Stelle nicht weiter gedacht hatte. Die Autorin tat dies durchaus. Sie hatte mich in meiner Phantasie ganz einfach abgehängt. Und dann hatte ich endlich wieder mal beim Lesen so ein Gefühl, wie ich es lange nicht hatte. Viele Jahr her. Ich denke da zum Beispiel an Elizabeth George: Gott schütze dieses Haus. Da hatte ich das auch. Totale Verblüffung.

Ich hab aber auch was zu meckern – Moritz Ehrlinspiel. Ich hab es bis zur letzten Seite nicht geschafft, mir den Mann als den vorzustellen, der er sein sollte. In den besten Jahren, voll im Saft, auf seine Art attraktiv für Frauen. Für mich war der vom ersten Auftritt an grau und alt. Ich glaube, das liegt am Nachnamen. Der ist zu lang. Moritz Ehrlin, das wäre mein Mann gewesen. Aber ich verspreche, ich sehe darüber hinweg und lerne ihn besser einzuschätzen, wenn er nur wieder kommt!

Ich habe hier versucht über ein Buch zu schreiben, ohne etwas vom Inhalt zu verraten. Denn das wäre doof für alle, die “Schweig still, mein Kind” noch lesen wollen. Meine Meinung: Jeder Krimifan, der das nicht tut, hat etwas versäumt.

Die Welt hat eine neue Krimi-Autorin. Stieg Larsson ist leider tot, aber von Petra Busch werden wir noch eine Menge lesen. Ich bin ganz sicher! Und ich kann es nicht erwarten.

 

Außerdem fand ich – weil ich ja die Autorin ein wenig kenne – meine feste Überzeugung belegt: Schreiben macht frei…