Tipps für einen ansprechenden Abschluss im Brief

In meinem Lieblingsnetzwerk ist die Abschiedsformel unter den Mails längst keine Formel mehr. Bis zum Exzess wird dort individuell gegrüßt. Das ist aber eher Texttreff-Style und nicht unbedingt Zeichen professioneller Schreibe. Da schließen die Mails mit “gespannte Grüße”, “neugierige Grüße”, “verhungernde Grüße” oder auch “aufgebrachte oder blinzelnde Grüße” – je nach Topic wird der Gruß formuliert. Das ist eher witzig und liebenswert. Aber es ist auch bezeichnend, denn diese Grüße fallen auf.

Selbst im hektischen Alltag, 537 Mails wollen abgearbeitet, gelöscht, beantwortet werden – die “interessierten Grüße” werden wahrgenommen. Das zeigt mir, das man in der Korrespondenz wirklich jedes einzelne Wort bis hin zur Schlussformel für seine Zwecke nutzen kann. Das Attribut der obligatorischen Grüße in der Schlussformel eines Briefes kann wachrütteln, Sympathien schaffen, dem zuvor Gesagten eine bestimmte Färbung geben oder einfach nur angenehm oder unangenehm auffallen.

Man muss es ja nicht übertreiben, aber in der Abschluss“formel” noch einmal ein persönlicher Bezug – das wirkt!

Deshalb mein Rat – jedes Wort in einem Mailing oder Brief ist wichtig. Sogar die freundlichen Grüße haben eine Bedeutung. Nämlich gar keine. Denn freundliche Grüße sind die einzigen, die nichts bewirken. Weil sie nämlich gar nicht mehr auffallen.

Es sei denn, ich würde so unterschreiben. Dann wäre es was besonderes. Denn freundliche Grüße hab ich sicher seit mehr als zehn Jahren nicht mehr verschickt. Nach einer so langen Zeit fallen sie dann doch wieder auf. Aber bestimmt würde mein Adressat denken: Huch, was hat die denn??