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Der letzte Eintrag: Über Leben und Sterben im Netz

Gestern bei Melody hatte ich schon davon gelesen, heute geht der PR-Blogger Klaus Eck noch ausführlicher auf das Thema ein. Ein todkranker BBC-Journalist hat seinen Kampf gegen seine Krankheit gebloggt. Er hat diesen Kampf verloren, posthum wurde sein letzter Eintrag veröffentlicht, den er selbst zuvor bereits geschrieben hatte, als er wusste, dass er irgendwann nicht mehr dazu in der Lage sein würde.

Grenzüberschreitungen: Wenn jemand wie Ivan Noble sein ganz privates Leben oder sogar sein Sterben in die Öffentlichkeit trägt, indem er sein eigenes Leiden online in einem Weblog thematisiert, dann werden Grenzen deutlich überschritten. Nicht jeder Leser wird ein solches Online-Tagebuch mögen.Und der Voyeurismus einiger Leser wird bedient. Anderen Lesern hingegen hilft es sogar, wenn jemand offen mit seinem Sterben umgeht.

So wie Klaus Eck es beschreibt, ist wohl. Jeder wird anders reagieren auf ein solches Weblog, es anders bewerten. Ich finde, auch hier gilt, was immer gelten sollte - einzig wichtig sind die Beweggründe des Bloggers. Wem etwas zu extrem ist, oder zu privat, der muss ja nicht lesen.

Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass das Sterben im Leben oft viel zu sehr ausgeklammert wird. Wir schieben es weg: Darüber spricht man nicht. Ich weiß aus eigener Erfahrung und auch von anderen, dass die Menschen die Straßenseite wechseln, wenn sie jemandem begegnen, dessen Mann, Frau, Mutter, Freund oder Kind gerade gestorben ist. Lieber so tun, als hätte man denjenigen gerade nicht gesehen, als reden müssen.

“Ich weiß nicht, was ich sagen soll, mir fehlen die Worte.” - ein klassischer Satz. Und deshalb sagen die Leute oft lieber gar nichts. Dabei könnte man doch wenigstens sagen, dass man nicht weiß, was man sagen soll. Sagt doch soviel.

Mich hat die Geschichte von Ivon Noble tief beeindruckt und sehr nachdenklich gemacht. Wenn jetzt darüber diskutiert werden sollte, ob ein Sterbender seine Geschichte bloggen darf, ob er selbst also offen darüber reden und schreiben darf, dann muss man sich nicht wundern, dass die anderen Menschen schweigen, wenn man selbst betroffen ist.

Der PR-Blogger spricht von Lesern. Die einen Leser werden dies, die anderen Leser werden das… Es geht doch nicht immer nur um die Leser. Es geht auch und zu allererst um den Schreiber. Welche Grenze sollte Noble überschritten haben? Er hat aus seinem Leben gebloggt. Und da war eben gerade das Sterben an der Tagesordnung. Er hat keine Grenze überschritten. Das tat er erst nach seinem letzten Eintrag.

Meine tiefe Hochachtung.

Biggi Mestmäcker am Samstag, 29. Januar 2005 | Guckloch
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