Christine V., 38
Wie überall gibt es auch bei uns ein wöchentliches kostenloses Anzeigenblatt, den Stadt-Spiegel. Unter anderem erscheint dort jede Woche irgendeine Umfrage - Bürger auf der Straße werden zu einem bestimmten Thema befragt. Heute war es das Thema: Kind oder Karriere? Etliche Menschen wurden befragt und deren Meinung unter Angabe ihres Namens veröffentlicht. Da sind die, die offen sagen: Für mich war die Karriere immer wichtiger, deshalb habe ich keine Kinder. Und ich würde es wieder so machen. Da sind die, die der Meinung sind: Kinder waren uns immer wichtiger als die Karriere. Und es gibt die, die angeben, man könne Kinder und Karriere auch vereinbaren oder erst Kinder und dann Karriere machen. Bemerkenswert - alle stehen mit ihrem Namen zu ihrer Meinung. Ausnahme ist ein Ehepaar, die als “stadtbekannte Brüggener” bezeichnet werden. Dafür erscheinen Hans und Inge auch mit einem großen Foto.
Und dann ist da noch diese Meinung: “Die Karriere geht vor. Sollen doch die Anderen die Kinder bekommen. Bei den vielen Zuschüssen von der Regierung kann sich wohl keine Familie beschweren.”
Aha.
Ich könnte kotzen. Nicht wegen dieser egoistischen Meinung. Sondern deshalb, weil Christine V., 38, vermutlich auch aus Brüggen, offenbar einer Veröffentlichung ihres vollen Namens nicht zugestimmt hat. Egoismus ist ekelhaft. Falsch informiert sein ist manchmal dumm - viele Zuschüsse? Hä?. Aber sich mit einer solchen Äußerung hervorzutun und nicht mit seinem Namen zu dieser bemerkenswerten Meinung zu stehen, das ist feige. Und Feigheit fand ich schon immer widerlich.
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Ich weiss gar nicht, was du hast, wir leben ganz fürstlich von all den Zuschüssen.
Verreisen alle Naslang, fahren zwei dicke Autos, haben ein grosses eigenes Haus mit riesem Garten, Swimmingpool und Tennisplatz, beschäftigen Gärtner, Hausdame, Koch und Butler. Alles nur von den Zuschüssen. Da lohnen sich Kinder doch! (SCNR)