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Auszeit!

Eine harte Zeit liegt hinter mir. Arbeit. Viel Arbeit. Aber die ist geschafft und über Arbeit freue ich mich im Grunde immer. Dann passierte vor zwei Wochen ein schreckliches Unglück. Meine Freundin und Kollegin und ihre Familie verloren über Nacht ihr Zuhause und ihren Arbeitsplatz. Ich reagierte sofort. Es gibt Situationen, da denkt man nicht nach. Und das ist auch gut so. Der Bauch, das Herz - das sind im Ernstfall immer die besten Berater.

Nur so konnte es möglich gemacht werden, dass aus dem Texttreff heraus eine unglaubliches Netzwerk der Hilfsbereitschaft entstand. Die Unglaublichste von allen fuhr in 30 Stunden 1000 KM und organisierte zwischendrin die vollständige Renovierung einer verlebten Ersatzwohnung.

Gemeinsam mit ein paar Freunden und Netzwerkkollegen starteten wir ein Online-Spendenprojekt. Abgebrannt-wir-helfen.de sammelte in kürzester Zeit fast 20.000 Euro. Eine große Welle der Sympathie schlug uns Initiatoren und der betroffenen Familie entgegen. Sie und damit auch wir alle bekamen nun zurück, was wir jemals gegeben hatten. Das war und ist gut so.

Es gab aber auch öffentliche, negative Stimmen. Verschwindend wenige. Wenige Menschen, die nicht verstanden haben, worum es hier ging und geht. Wenige Menschen, die nicht verstanden haben, dass hier die Leute gerne gegeben haben. Ganz unabhängig davon, ob eine Versicherung zahlt, oder nicht. Ob ein Schrank gerettet werden konnte, oder nicht. Ob die Familie längst schon wieder eine Übergangswohnung bezogen hat, oder nicht.

Menschen, die ich niemals näher kennenlernen möchte. Weil ich sie ekelhaft finde.

Gott sei Dank sind es nur vier.

Wir wollten Gutes tun und wir haben Gutes getan. Wir haben leider nicht alles außerdem noch vorhandene Elend der Welt lindern können und wir haben auch nicht den Sozialneid mancher Nachbarn aus der Welt schaffen können. Im Gegenteil, wir haben ihn sogar noch geschürt. Mit jedem Euro, der aufs Spendenkonto einging - und hoffentlich weiter eingeht! -, wurde der Hass vermutlich größer. Und führte dazu, dass unsere von Herzen gut gemeinte Aktion, die uns alle viel viel Zeit, Nerven und Kraft gekostet hat, der betroffenen Familie zwar wirklich dringend benötigtes Geld gebracht hat, aber auch neidische, kleinkarierte und penetrant egoistische Menschen auf den Plan gerufen hat. Eine Spezies Mensch, mit der ich es noch nicht zu tun hatte in meinem Leben. Und ich werde im nächsten Jahr 50!!!

Ich habe jetzt erst gelernt, es gibt Menschen, die treten andere, wenn sie bereits am Boden liegen. Für diese Menschen habe ich einen Wunsch:

Sie mögen in eine ERNSTE Notlage kommen und in der Not erfahren, wie gut es tun kann, wenn dann andere da sind, die ihnen helfen. Dann ist ihnen vielleicht noch zu helfen. Und vielleicht gehen sie dann zu ihren Nachbarn aus dem Jahr 2010 und entschuldigen sich. Entschuldigen sich dafür, dass sie vehement daran gearbeitet haben, in jeder Beziehung schwer verwundeteten Leuten den allerletzten Rest an Nerven, Kraft und Durchhaltevermögen auch noch zu rauben.

Ich muss hier raus. Ich bin online jetzt offline. Bis zum 16. August. Macht’s gut.

Biggi Mestmäcker am Donnerstag, 22. Juli 2010 | JobBlog In eigener Sache
(0) Comments (907 Aufrufe) | Permalink

Kommentare:

Liebe Biggi,
sieh es positiv: Du musstest fast 50 werden, um solche Menschen zu erleben. Ich habe diese Erfahrung fast 20 Jahre fr�her gemacht.
Z�hle die, die euch unterst�zt haben und nicht die, die es nicht getan haben. Die Erfahrung ist bitter, aber sie sollte euer phantastisches Engagement nicht negativ �berstrahlen.
Ich w�nsche dir von Herzen einen tollen Urlaub und wenn du wieder da bist, lad ich dich auf einen Kaffee-tweet ein, damit du auch im RL erf�hrst, welche @doelkerin da st�ndig babbelt ;-)

Liebe Gr��e
Diana

Du sprichst mir aus dem Herzen, liebe Biggi. Aber das muss ich wohl gar nicht sagen.

biggi mach dir nichts draus,was manche sagen. dir und deinen lieben schöne ferien. mutti.

Ich danke dir für deine Freundschaft (zu Carola), deinen/euren Einsatz, diesen Post. Es tut irre gut zu wissen, dass es Menschen wie euch gibt. Falls ich jemals in eine solche Lage komme, hoffe ich inständig, dass es auch in meinem Leben solche Leute gibt.

Erhol dich gut. Beste Wünsche von hier.
Herzlichst, Frau Blümel

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